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Autorin Mara Braun

Interview: „Jedes Zwillingspaar ist einzigartig“

Unzertrennlich- 20 Geschichten über Zwillinge

Mara, du hast mit  „Unzertrennlich – 20 Geschichten von Zwillingen“ ein Buch über Zwillinge geschrieben, obwohl du weder einer bist noch Zwillinge hast. Wie kamst du zu dem Thema?

Ehrlich gesagt über den Verlag, was bei Sachbüchern auch recht üblich ist. Ich hatte damals mit Schwarzkopf & Schwarzkopf schon zwei Bücher gemacht und dieses Thema wollten sie gerade besetzen. Mein Agent hat mich darauf angesprochen, ich hatte gleich Ideen dazu, die ich in einem Exposé ausgearbeitet habe – und plötzlich hatte ich den Zuschlage.

Woher kommt dein Interesse an dem Thema?

Das ist ehrlich gesagt vielschichtig. Zum einen fasziniert mich Familie ganz allgemein, nicht nur als, nennen wir es mal Lebensmodell, sondern auch die ganzen inneren Zusammenhänge. Ich habe selbst keine Kinder, bin aber mit Leib und Seele Tante. In den Kindern meiner zwei Schwestern – jeweils ein Junge und ein Mädchen, in der Reihenfolge – sehe ich zum Beispiel viel von meinem Vater. Dann schauen sich die beiden Cousinen auf Kinderbildern so ähnlich. Meine große Schwester hat andererseits viel von unserer Tante. Das finde ich wunderbar.

 

Zwillinge wiederum haben schon eine Faszination auf mich ausgeübt, als ich noch ein Kind war. Mit mir in die Klasse gingen Zwillingsmädchen, mit denen wollte ich immer spielen – wahrscheinlich habe ich die Armen damit total genervt. Und meine Patentante, die ein ganz wichtiger Mensch für mich war, hatte einen Zwillingsbruder. Er ist im Krieg gefallen und sie hat nicht oft von ihm gesprochen, aber wenn, war diese besondere Bindung total spürbar. Vor drei Jahren schließlich ist meine beste Freundin Mama von Zwillingen geworden und in die beiden Dötze bin ich total verliebt.

Wie genau hast du das Thema umgesetzt?

Ich bin ja von Haus aus Journalistin und was ich sehr gerne schreibe sind Portraits. So bin ich auch an das Buch rangegangen: Ich wollte Menschen treffen und ihre Geschichte erzählen. In Zeiten der sozialen Medien ist das ja echt dankbar, ich hatte schnell ganz unterschiedliche und spannende Paare zusammen. Dann bin ich wochenlang quer durch die Republik gefahren und habe mit den Zwillingen – oder, bei den Jüngsten, mit deren Eltern – gesprochen. Und auf die Gefahr hin, abgedroschen oder schnulzig zu klingen: Das war eine unfassbar tolle Zeit. Keine dieser Begegnungen möchte ich missen, jede war absolut besonders.

Gab es ein Paar, das dich speziell berührt hat?

Das ist tatsächlich fast unmöglich zu sagen. Ich hatte bei jedem der Treffen das wunderbare Gefühl, unglaublich großes Glück mit meinen Gesprächspartnern zu haben. Es ist echt nicht selbstverständlich, dass Menschen dir ihre eigene Geschichte so offen erzählen im Vertrauen darauf, dass du anschließend die richtigen Worte dafür findest. Das war einfach superschön. Die Paare selbst waren unheimlich unterschiedlich. Die jüngsten, bei denen ich mit den Eltern gesprochen habe, waren noch Kleinkinder, da haben wir viel über schlaflose Nächte geredet oder diesen Moment, wenn der Arzt sagt: „Ach, das sind ja zwei!“ Dann Teenager, die nach Jahren der absoluten Nähe dem Moment entgegenbangen, ihr Leben zum ersten Mal an ganz unterschiedlichen Orten zu verbringen. Schwestern, von denen eine als Schulkind Krebs hatte – und dann diese Angst, einander zu verlieren. Junge Männer, die nach einem bewussten Jahr der Trennung unabhängig voneinander den gleichen Berufswunsch getroffen hatten. Frauen, die früher gerne mal die männlichen Bekanntschaften geneckt haben und zu den Dates ihrer Schwester gegangen sind. Sehr berührt hat mich auch ein fast 100-jähriges Pärchen, die nach dem Tod ihrer Ehemänner fast 30 Jahre als WG zusammengelebt haben. Das sind schon ganz besondere Lebensläufe, die aus dieser Nähe entstehen.

Gab es Gemeinsamkeiten in den Gesprächen?

Schon, ja. Die Pubertät hat für viele, nicht ganz überraschend, eine große Rolle gespielt, als die erste Phase, in der man auch Abgrenzungen suchte. Dann der Moment des Auseinander-Ziehens. Für viele der Frauen war die Zeit, in der die ersten Kinder kamen, eine, in der sie wieder näher zueinander gerückt sind. Spannend fand ich auch, dass viele zweieiige Paare sich richtig aufgeregt haben über diese Abstufung, als ob sie quasi Zwillinge zweiter Klasse wären und die Nähe eine andere. Das konnte ich total gut nachvollziehen: Zwei meiner drei Geschwister haben eine andere Mutter, wir teilen also nur den Vater, und ich kann das gar nicht begreifen, wenn Leute sagen: „Ach so, ihr seid nur Halbgeschwister.“ Nein, wir sind Geschwister, da ist nichts Halbes. Es ist eine Angelegenheit des Herzens, und damit macht man, einfach ausgedrückt, keine halben Sachen.

Du hast vorhin erzählt, du bist Journalistin. Wie sah deine Recherche aus?

Ich habe das Buch in vier Kapitel unterteilt, in denen jeweils drei Lebensgeschichten erzählt werden. Dazu kommt immer ein Interview, darin spreche ich unter anderem mit einem Arzt, der viele Zwillingsschwangerschaften begleitet hat, oder zwei Frauen, deren Zwilling in der Schwangerschaft beziehungsweise bei der Geburt gestorben ist. Dann gibt es noch so mehr oder weniger spielerische Elemente, kleine Texte wie den über eine Frau, die in vier Jahren dreimal Zwillinge bekommen hat, prominente Twins oder Zwillinge in der Literatur. Sprich, die Recherche lief zum Teil über die Interviewpartner, dann ganz klassisch: Bücher, Internet.

Das Buch ist bereits erschienen. Gab es eine Reaktion, die dich nach der Veröffentlichung besonders berührt hat?

Ja, die gab es tatsächlich. Leider ist eine der beiden Schwestern, die über 30 Jahre zusammen gelebt haben, kürzlich verstorben. Ich war auf der Beerdigung und es war echt ein grausliges Gefühl, dass die eine nun ohne die andere sein sollte. Davor schützt das Alter nicht… Plötzlich meinte der Pfarrer, er wolle noch einen Text vortragen, um den Anwesenden die Verstorbene etwas näher zu bringen. Ich habe einen Moment gebraucht, bis ich es kapiert hatte, aber er hat tatsächlich aus dem Buch gelesen. Das war trotz der Trauer ein sehr schöner Moment, weil mir dabei klar geworden ist, meine Worte haben den beiden Schwestern, haben ihrer Familie etwas bedeutet. Und etwas Schöneres kann es bei dieser Art Text eigentlich gar nicht geben.

Mara Braun: Unzertrennlich – 20 Geschichten von Zwillingen. Schwarzkopf und Schwarzkopf-Verlag, 9,90 Euro.


Über Mara Braun ist nach 20 Mainzer Jahren kürzlich über den Rhein nach Wiesbaden gezogen. Diesen großen Brückenschlag vollzieht sie im Kleinen beinah täglich und pendelt zwischen den beiden Städten, die auf unterschiedlichen Wegen ihr Herz erobert haben. Sie arbeitet als freiberufliche Journalistin, Autorin und Texterin und schreibt z.B. eine Kolumne über Mainz 05. „Unzertrennlich – 20 Geschichten von Zwillingen“ ist ihr drittes Buch, auch erhältlich ist u.a. „111 Gründe, an die große Liebe zu glauben“.

3 comments

  1. Du hast ja meine wunderbare, zauberhafte Mara als Interviewpartnerin. <3 <3 <3 Und ich sehe das erst jetzt, und nur durch Zufall. :O

    Wann ist denn das Interview erschienen?

    Lieben Gruß, Bettie

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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