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Der Online-Knigge für Unternehmen

Blogs sind kleine Medien-Unternehmen: Blogger, schreiben, fotografieren, filmen, testen, layouten und haben durch ihren authentischen und unkonventionellen Stil eine sehr hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Lesern. Die Leser kennen Wohnzimmer und Küche des Bloggers und haben somit eine Art freundschaftliche Beziehung. Vor allem gilt: Blogger interagieren stark mit ihren Lesern, man kennt und schätzt sich gegenseitig – und das im Idealfall über Jahre hinweg. Wenn also ein Blogger ein Produkt authentisch testet und seinen Lesern oder Sehern vorstellt, so hat dies einen viel höheren Werbeeffekt als ein klassisches Inserat – es ist die Beratung eines Freundes. Die Zielgruppe ist außerdem speziell, der Streuverlust gering.

Weil aber ein Blog, wie gesagt ein Mini-Medienunternehmen ist, bedeutet es, dass ein gut geführter Blog VERDAMMT VIEL ARBEIT IST! Denn mit dem Schreiben eines Beitrags oder dem Dreh eines Videos beginnt ja erst die ganze Arbeit: Einen knackigen Teaser für Facebook schreiben, ein schickes Bild auf Instagram posten, den Text auf Pinterest pinnen und natürlich bei Twitter davon berichten, dass etwas Neues am Blog erschienen ist. Dann natürlich am besten noch das Posting in Foren oder Gruppen verbreiten und schließlich bei anderen Bloggern kommentieren. Tja und dann kommt noch die Beantwortung von Leser-Fragen….

Als ehemalige Print-Journalistin weiß ich: Ein Blogpost ist viel aufwändiger als ein Artikel in einem Print-Medium. Gerade die Interaktion mit den Lesern via Twitter, Facebook oder Instagram nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Außerdem halten gute Blogger ihre Postings immer aktuell und schreiben sie im besten Fall auch noch Google-optimiert. Ein Unternehmen profitiert natürlich davon, wenn ein Posting SEO-optimiert geschrieben ist, und gewisse Keywords enthält, weil im Idealfall eben so ein Posting auch die nächsten Jahre noch geklickt wird. So ist beispielsweise einer meiner meist geklickten Blog-Posts ein Artikel aus dem Jahr 2014, der sehr serviceorientiert zum Thema Schwangerschaft ist. Ich halte ihn immer auf dem neuesten Stand und somit wird er via Google bestens gefunden.

Gerade durch diesen enormen Aufwand, den die Betreuung und Pflege eines (guten) Blogs in Anspruch nimmt, möchten Blogger auch honoriert bekommen. Und darum haben wir ein paar renommierte österreichische Blogger getrennt voneinander befragt:

Was macht gute Blogger-Relations aus?

  1. Arbeit bezahlen: Je nach Reichweite möchten Blogger ihre Arbeit honoriert bekommen. Dabei ist es ratsam sich das Media-Kit des Bloggers schicken zu lassen um die Reichweite des Bloggers einschätzen zu können (am besten mit Google-Analytics-Screenshot der Zahlen der letzten Monate, so sieht man die Kontinuität des Bloggers). Ein Posting bei einem großen, renommierten Blog kann bis zu 1.000 Euro kosten. In den USA werden Influencer mit bis zu 80.000 Dollar bezahlt. Als Unternehmen zahlt man dabei nicht nur die Erstellung von Text und Fotos, sondern vor allem für die Reichweite und die ständige Pflege der Glaubwürdigkeit. Die Preise die Blogger verlangen sind im Vergleich zu Print-Medien gering.
  2. Social Media Interaktion beachten: Ein Blog hat 20.000 Instagram-Follower, aber keine Kommentare? Ein Blog hat 10.000 Facebook-Fans aber keine Likes bei den Beiträgen? Vielleicht wurden die Follower nur gekauft. Ein guter Blog hat eine Community, die über Themen diskutiert – das kann entweder direkt am Blog oder aber auch in den Social Media-Kanälen stattfinden.
  3. Produkt und Blog sollen zusammenpassen: Bevor Sie also einen Blog für eine Kooperation ins Auge fassen, klicken Sie vorab hinein und informieren Sie sich über den Blogger und das Blogprofil. Erkundigen Sie sich über den USP des Blogs. Veganer werden keine Lederprodukte vorstellen, Waldorf-Blogs keine Videospiele. Ein Rucksacktourist wird kein 5-Sterne-Hotel testen. Oft bekommt man als Blogger Anfragen, die reine Zeitverschwendung sind – für beide Seiten.
  4. Einzigartiger Content: Content ist King. Blogger wollen daher keine Presseaussendungen. Sie haben ihre hohe Glaubwürdigkeit bei den Lesern, weil sie Dinge probieren und testen, oder weil sie frei von der Leber weg schreiben, was sie beschäftigt – sie liefern also Content, den man in klassischen Medien nicht findet. Ein echter Blogger würde also niemals eine Presseaussendung abdrucken. Außerdem wollen Blogger Unique-Content, weil sie sonst von Google abgestraft werden.
  5. Bundesländer: Sie haben Kunden auch außerhalb von Wien? Dann sollten Sie auch mit Blogger aus den Bundesländern kooperieren.
  6. Langfristige Partnerschaften: Sie wollen kurz vor Weihnachten ein Produkt promoten? Dann fahren Sie eine breit gestreute Kampagne mit vielen einzelnen Blogs. Sie werden dann vermutlich schnell viele Produkte verkaufen. Sie wollen langfristig Kunden an sich binden? Dann machen Sie mit ausgewählten Blogs langfristige Kooperationen. Wenn Sie etwa eine Kleidermarke einführen wollen, dann schnappen Sie sich 4 oder 5 Blogger, die immer wieder Ihre Produkte tragen und damit Blogposts bebildern oder Instagram-Fotos knipsen. Es wird dem Leser besser in Erinnerung bleiben. Und es eine glaubwürdige Zusammenarbeit.
  7. Kooperation auf Augenhöhe: Klar, Links sind gut für das Google-Ranking. Bezahlte Do-Follow-Links sind aber verboten. Sehen Sie also davon ab, Links einfach zu kaufen – ein Blogger der transparent und qualitativ hochwertig arbeitet, wird niemals einen Link verkaufen.
  8. Nischenrelevanz: Ein Blog der sich mit der Gasto-Szene in Oberösterreich beschäftigt, wird nie so viele Leser haben wie ein Fashion-Blog aus Wien. Für die Leser ist die Kritik des Food-Bloggers aber wichtig und relevant, auch wenn er weniger Leser hat. Er ist der König seiner Nische. Und eben diese Nischenrelevanz kann auch kosten, denn man erreicht damit 100 Prozent der potenziellen Kunden. Der Streuverlust ist gleich Null.
  9. Keine unangekündigten Samples oder Produktpröbchen schicken: Es ist zeit- und geldsparender, sich erst mit dem Blogger in Verbindung zu setzen und gern auch gleich eventuelle Erwartungen zu kommunizieren.
  10. Und was kostet das jetzt? Eine der größten und renommiertesten Elternbloggerinnen in Deutschland, Tollabea, gibt folgende Tipps für die Preisgestaltung: „Für einen Blogbeitrag inklusive seiner Verbreitung in den Social-Media-Kanälen des Bloggers sollten Sie ab rund 200 Euro einrechnen – für die kleineren Blogs unter 30.000 Seitenaufrufen im Monat. Im Bereich ab 30.000 Seitenaufrufe bis zu circa 90.000 Seitenaufrufe sollten Sie mit Preisen um die 500 Euro rechnen. Wer ab 100.000 monatliche Seitenaufrufe hat, wird Ihnen Preise ab mindestens 600 Euro aufrufen, je nach Stärke seiner Social-Media-Kanäle auch gut und gerne um die 1000 Euro und darüber hinaus, je nach Aufwand.“ WICHTIG: Immer die Leserzahlen der Nische aufrechnen und den Preis gemeinsam mit dem Blogger gestalten.
  11. Leser sind Freunde: Blogger und Leser stehen in einer ganz speziellen Beziehung. Sie sind virtuelle Freunde. Wenn ein Blogger ein Produkt empfiehlt, so ist es keine Werbung im eigentlichen Sinne, sondern eine authentische Kauf-Beratung.

 

Dieser Text entstand in Kooperation der Blogs:
www.einerschreitimmer.com
www.suchtdasglück.at
www.babymamas.at
www.tollabea.de
www.diekleinebotin.at
www.mamawahnsinnhochdrei.com

 

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8 comments

  1. Ich liebe Punkt 5 🙂
    Tolle Liste! Danke für die ausführliche und soooo wahre Zusammenstellung!

    • einerschreitimmer

      Ist schon lustig, dass die ganzen Blogger-Events immer in Wien sind. Und wenn man dann als Blogger anfragt, ob sie die Anreise übernehmen, dann erntet man Fassungslosigkeit. Die Unternehmen gehen davon aus, dass man auf eigene Rechnung zu einem Werbeevent nach Wien fährt – finde das immer sehr originell… Aber jetzt wo ich das eben tippe denke ich: Das sollte man auch noch als Punkt aufnehmen….

  2. Danke für den Beitrag…. Das wird mir für meine Blogger-Zukunft auch helfen! Man stellt sich ja oft einige Fragen, vor allem, wenn der Blog noch nicht so alt ist und noch nicht eine ausreichende Anzahl an Lesern hat. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden!

    Liebe Grüße, Sternchen*

  3. Toll! Toll! Toll! Einfach toll!
    Ich finde das Thema absolut auf den Punkt gebracht!

    Ganz große Klasse! Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße Melanie

  4. Meine Güte du schreibst mir diesem Artikel gerade wieder aus der Seele. Ich habs oftmals so satt, erst gestern habe ich wieder eine Anfrage bekommen von einer windigen Bude ob ich nicht einen ganzen Beitrag über ihr „fake“ produkt schreiben will für 70 EUR. Nich das es mir ums Geld geht, nein Bloggen ist meine Leidenschaft, aber ganz ehrlich fühle ich mich da schon manchmal verarscht, weil ich verdammt genau weiß was im Print läuft. In meinen Brötchenjob habe ich gefühlt jeden Tag mit Vertrieblern von Print zu tun, dir mir für ein windiges regionales Magazin ernsthaft eine halbe Seite für 4.000 EUR anbieten. Auch die größten Österreichischen Tageszeitungen eine halbe Seite ab 10.000 EUR und da reden wir noch nicht mal davon, dass der Journalist oder der Fotograf sich aus seinem Büro bewegt hat, sondern irgendeine Pressemitteilung umgeschrieben wird. Nichts gegen Print, aber die Geschichte ist in einer Tageszeitung ist spätestens um 10 Uhr Vormittags Geschichte. Ein gut geführter Artikel in einem Blog jahrelang erreichbar mit einer ähnlichen Reichweite wie eine große Tageszeitung. Verständnis ist nach wie vor bei vielen nicht da und mittlerweile muss ich ehrlich gestehen, dass es mich oftmals gar nicht mehr interessiert zu erklären argumentieren oder überzeugen.

    Wenn ich schon merke, dass die PR- und oder Marketingdame von einem Unternehmen kein Interesse an online hat und mir mit Argumenten kommt wie nein wir können dir nur 70 EUR geben weil das haben wir nicht im Budget aber 10.000 und mehr für windigen Print ausgeben, oder wie auch letztens hat mir eine PR Verantwortliche für eine Region, die echt schön ist – die Region meine ich, aber leider im Internet nicht auffindbar, erklärt ich darf nicht auf eine Pressereise mitfahren (für ein Hotel wo eine Nacht ca 50 EUR kostet) weil da dürfen nur Print-Journalisten mit und ich bin ja irgendwas mit online und da brauche sie 10.000 Follower. Meine Frage was sie genau meint mit 10.000 Follower – welcher Kanal, Insta, Facebook, Blogreichweite, Unique Visiters – kam natürlich wiedermal keine Antwort und auch keine Frage, weil sie es einfach nicht gecheckt hat und das als PR Dame !. Es ist nach wie vor ein Trauerspiel. Der Gap zwischen online und print PR ist in Österreich einen echtes Trauerspiel und manchmal werde ich schon richtig stinkig über soviel Ignoranz gegenüber dem Netz. Wie lange gibt es jetzt das Internet und die online Berichterstattung schon…ist ja nicht erst gestern erfunden worden.

    Für meinen Fall, ich bin ausgebildete Journalistin, Wirtschaftswissenschaftlerin, Marketing und PR Expertin bzw ausgebildet in Fotografie und IT. Als gute Bloggerin zum Aufbau einer verdammt guten Reputation brauchst du da einfach viel Know-How. Gerade im eigenen Fachbereich schmerzt es dann, wenn der Großteil diese viele Arbeit und das Know-How nicht sehen will und einem lächerlich abspeisen will.

    …..so und jetzt habe ich schon viel zu viel geplappert. Großartiger Bericht – vielen lieben Dank!!
    Die Doris von der http://www.dorisworld.at

    • einerschreitimmer

      Danke liebe Doris! Ich sehe wir sind uns da einig! 😉 Und schön, dass du auf einem Mama-Blog vorbeischaust! Herzlich willkommen! 😉

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