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Autorin Silia Wiebe: „Unsere Mütter – wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen“.

BUCHTIPP: Unsere Mütter – Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen

Warum ist die Beziehung mit der eigenen Mutter oft so kompliziert? Die Hamburger Journalistin Silia Wiebe hat ein Buch geschrieben, ein Buch über Mütter und Töchter , das in vielen Medien wie dem Magazin STERN oder der Frankfurter Rundschau vorgestellt wurde. Heute ist Silia bei „Einer schreit immer“ im Interview und erzählt, warum man Feiertage nicht zwangsläufig mit der Familie verbringen muss. 

Ostern steht vor der Tür, viele Frauen werden ihre Mütter zum Kaffee einladen. Manche tun das nicht freiwillig…

Gemeinsam Ostereier suchen, wenn man schon Schnappatmung beim Gedanken an den anderen bekommt, macht nicht glücklich. Wir können uns ja mal in die Lage der Mutter versetzen: Will man Gast sein, wenn man nur aus Pflichtgefühl eingeladen wird?

Ich würde die Ostereier lieber mit meiner besten Freundin essen als der Familie auf die Nerven zu gehen, wenn es überhaupt nicht funktioniert zwischen uns. Die meisten Mütter haben aber laut aktuellen Familienstudien eine unkomplizierte Beziehung zu ihren erwachsenen Töchtern, sehen sich häufig und wohnen sogar oft ganz in der Nähe.

Mit anderen Worten: Lieber kein Familientreffen als eines, zu dem sich alle überwinden müssen?

So sehe ich das. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht immer wieder eine zweite oder auch dritte Chance geben kann. Mütter haben genau wie wir Töchter das Potential, immer noch dazu zu lernen und sich zu verändern. Nur wenn man sich seit Jahren das Osterfest mit gegenseitigem Groll verdirbt, macht das zwanghafte Beisammensein wenig Sinn.

Du hast ein Buch über Töchter und Mütter geschrieben. Es heißt „Unsere Mütter – Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen.“ Gibt es auch konfliktfreie Mutter-Tochter-Beziehungen?

Aber natürlich! Jede Mutter ist anders und jede Mutterbeziehung auch. In meinem Buch erzählt zum Beispiel eine 31-jährige Hamburgerin, wie sie hintereinander sieben Kinder bekam und ohne ihre Mutter verzweifelt wäre. Und auch sehr rührende Geschichten: Eine Frau aus Wolfenbüttel, die als Kleinkind adoptiert wurde, schildert, wie sie erst mit 64 Jahren den Mut findet, ihre leibliche Mutter zu suchen. Sie findet die Mutter zu ihrer größten Überraschung ganz in der Nähe ihres Wohnortes, sie lebt also noch. Damit hat sie nicht gerechnet. Die alte Dame ist 89 und erzählt der Tochter beim ersten Treffen, dass sie einen Zwillingsbruder hat. Und das Überraschendste ist: Den Bruder hat die Mutter damals nicht zur Adoption freigegeben, sondern behalten. Die Tochter will natürlich wissen, warum sich die Mutter gegen ihr kleines Mädchen entschieden hat und trägt ihr diese Entscheidung nicht nach, sie hat sogar Verständnis. Das hat mich sehr beeindruckt.

Was ist mit dem Zwillingsbruder? Wusste er all die Jahre, dass er eine Schwester hat, die in einer anderen Familie aufwächst?

Nein, er wusste genauso wenig, dass er ein Zwilling ist, wie seine Schwester. Die Mutter hätte ihr Geheimnis mit ins Grab genommen, wenn Karin, so heißt die Tochter, nicht doch noch den Mut gehabt hätte, nach der leiblichen Mutter zu forschen. Bruder und Schwester fallen sich wenige Tage nach dem Besuch von Karin bei ihrer Mutter in die Arme. Das erzählen sie in meinem Buch.

Und sind heute unzertrennlich?

Ja, unglaublich, oder? Sie hatten sofort eine intensive Verbindung zueinander. Mitte März, an dem Tag, als mein Buch im Handel erschien, haben sie zusammen ihren 75. Geburtstag gefeiert. Ich war eingeladen und es war bezaubernd. Zwei große Familien kamen zusammen und alle verstehen sich.

 

BUCHTIPP: Warum es wichtig ist, sich allmählich von der Mutter innerlich abzusetzen und sich klar zu machen, dass man als Erwachsener keine Einheit mehr ist mit seiner Mutter ist, schreibt Autorin Silia Wiebe in ihrem neuen Buch„Unsere Mütter – wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen“ Das Buch hilft die Beziehung mit der eigenen Mutter zu reflektieren und zeigt wie andere Familien ticken.

Was für Erfahrungsberichte gibt es noch?

Da ist die 17-Jährige, die mit ihrer Mutter aus dem syrischen Bürgerkrieg nach Hamburg flieht und erzählt, wie sie beinahe vor der Küste Griechenlands ertrunken wären. Und die erfolgreiche Influencerin Luisa Lion, die sich von ihrer konsumkritischen Mutter lange vergeblich Anerkennung erhoffte. Weil die Mutter, eine Kindertherapeutin, einfach nicht verstand, warum die Tochter unbedingt ihr komplettes Privatleben auf Instagram öffentlich machen muss und was das überhaupt bedeutet: Influencerin sein.

Klingt nach einem sehr modernen Konflikt. Und viel Zündstoff…

Genau. Wenn Mütter und Töchter unterschiedlich sind, knallt es öfter. Mutter-Tochter-Beziehungen sind besonders schwierig, wenn beide unterschiedliche moralische Werte haben.

Du meinst, wenn sich die Mutter zum Beispiel in die Kindererziehung einmischt?

Das sind sicher typische Alltagsprobleme, wenn die Mutter mittlerweile Oma geworden ist. Es gibt oft Zoff bei den kleinen, scheinbar harmlosen Konflikten. Wenn die Mutter zu Besuch kommt und ohne zu fragen den Kleiderschrank der Tochter aufräumt. Oder wenn sie es nicht schafft, sich für auch mal zu entschuldigen oder wenn sie einfach nur desinteressiert ist am Leben der Tochter. Mütter können beste Freundinnen sein, aber auch die größte Enttäuschung unseres Lebens.

Im letzten Buchkapitel hast du die bekannte Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl („Das Kind in dir muss Heimat finden“) interviewt. Sie gibt viele praktische Tipps, wie wir Frauen mit schwierigen Müttern klarkommen.

Es geht nicht nur darum, wie wir mit den Macken unserer Mütter zurechtkommen, sondern vor allem auch darum, dass wir es als Erwachsene selbst in der Hand haben, was wir aus unserer Mutterbeziehung machen. Manche Töchter wollen noch mit 30, 40 und 50 Jahren, da sind sie längst selbst Mutter, unbedingt Lob und Anerkennung von der Mama. Sie kämpfen verzweifelt ein Leben lang um Mutterliebe und machen sich damit völlig abhängig.

Das ist doch aber verständlich, wenn man nie das Gefühl hatte, genug Liebe und Wertschätzung bekommen zu haben.

Verständlich ja. Trotzdem sind wir irgendwann selbst erwachsen und das bedeutet, dass wir entscheiden können, ob wir all unsere Probleme auf die Kindheit oder den Narzissmus der Mutter schieben oder eben aus dem, was die Mutter uns geben konnte, das Beste machen.

Bestellerautorin Stefanie Stahl erklärt das in meinem Buch so: „Wir Menschen bekommen unseren Selbstwert im Spiegel der anderen. Strahlt die Mutter ihr Baby an, lernt das Baby: Mama freut sich, dass es mich gibt, sie ist glücklich über meine Existenz. Daraus entsteht ein positives Gefühl: Ich bin okay. Spiegelt die Mutter dem Baby stattdessen Stress, Abwesenheit, Genervtheit, dann denkt das Kind nicht, dass die Mama leider haufenweise Probleme mit sich oder der Umwelt hat, sondern es fühlt: Ich bin nicht okay.“

Das macht Sinn. Aber was hat das mit unserer Beziehung zur Mutter als Erwachsene zu tun?

Als Erwachsene sind wir nicht mehr von der mütterlichen Fürsorge abhängig. Es kann uns, überspitzt gesagt, egal sein, ob die 70-jährig Mama uns okay findet. Es reicht, wenn wir uns selbst okay finden. Ich zitiere nochmal Stefanie Stahl: „Eine Tochter, die schon als Kind keine Wertschätzung von der Mutter bekam und als Erwachsene noch immer auf die Mutter schaut und hofft, dass die ihr irgendwann spiegelt, dass sie gut ist, die muss sich selbst von der Angel nehmen. Sie muss erkennen lernen, dass ihr persönlicher Wert nicht von der Zuwendung ihrer Mutter abhängt. Es läuft alles darauf hinaus, dass sie sich letztlich selbst anerkennt.“

Was meint die Psychologin damit? Ich soll mir selber sagen, dass ich gut und liebenswert bin?

Ja! Auch wenn es ungewöhnlich klingt. Aber nicht nur sagen, wir können uns selbst ja mal richtig liebevoll behandeln. Es fängt schon damit an, dass wir nicht ständig so viel von uns selbst erwarten, nicht die Supermama sein wollen, deren Bude glänzt, die Pizza selbst und immer nur BIO backt und die ihr brüllendes Baby durch die Nacht trägt und am nächsten Morgen trotzdem nicht übernächtigt sein darf. Als Erwachsene können wir uns selbst die Mutter sein, Geduld mit uns haben, Nachsicht, einen verständnisvollen Blick für unsere Schwächen und vor allem nicht den Anspruch, alles super machen zu müssen, um wertvoll zu sein. Wir sind auch mit Flecken auf dem Sofa, überquellenden Wäschebergen und unaufgeräumtem Schreibtisch liebenswert.

Wer sollte dieses Buch unbedingt zu Hause haben?

Jeder, oder jede die eine Mutter hat… (lacht). Aber ich muss sagen: Tatsächlich haben sich allein schon durch die Interviews, die ich mit den Töchtern geführt habe, einige Beziehungen zwischen den Töchtern und Müttern aus meinem Buch verbessert. Manchmal hilft es schon, über die Beziehung zur Mutter nachzudenken. Oder wie Stefanie Stahl es formuliert: „Die meisten Brücken lassen sich mit Empathie schlagen.“ Manchmal, wenn wir den Blickwinkel ändern, ist das, was wir von unseren Müttern bekommen, viel mehr, als wir ursprünglich dachten.

Also doch ein spontaner Besuch zu Ostern bei der Mama?

Never give up!

Wer schreibt hier eigentlich?

Zwillingsmama, Kinderdompteurin, Chaosmanagerin und „Mädchen für eh alles“: Unter dem Pseudonym Anna Attersee schreibe ich hier über das turbulente Leben mit Kindern – schonungslos ehrlich, denn einer schreit bei uns immer… Im richtigen Leben bin ich Journalistin, arbeite im Bereich „Irgendwas mit Medien“ und habe kürzlich mein erstes Buch veröffentlicht. Stolz bin ich auf meine Kinder und meinen Online-Shop. Mehr über mich und meine Familie findest du HIER.

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About einerschreitimmer

Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...

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