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„In der Schule? Da war ich nie!“ Interview mit André Stern

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Fünf Sprachen spricht er fließend. Das Interview gibt der Franzose in akzentfreiem Deutsch: Der Journalist und Musiker André Stern hat bereits mehrere Bücher geschrieben und hat nie eine Schule besucht. Im Interview mit „Einer schreit immer“ spricht er zum Schulbeginn darüber, wie Begeisterung reich machen kann und wie man ohne Schule am besten lernt…

Wie viele Zeugnisse besitzen Sie?

André Stern: Kein einziges.

Wie bekommt man einen Job, wenn man keine schriftlichen Fähigkeitsnachweise hat?

André Stern: Ich habe mich bisher noch kein einziges Mal bewerben müssen, denn meine Jobs habe ich immer auf Grund meiner Kompetenzen bekommen. Schon als 17-Jähriger, als ich bei einem Theaterensemble mitgespielt habe, hat man mir das einfach angeboten. Irgendwann hat man mich gefragt, ob ich bleiben möchte. Ich habe mich damals auch sehr für Musik intressiert und mich online mit anderen Menschen in einem Forum vernetzt. Weil ich dort sehr kompetent Fragen beantwortet habe, war ich schnell Moderator des Forums. Schließlich bot mir ein Musikmagazin an, für sie zu schreiben. Ein wenig später war ich schon Chefrdakteur des Magazins.

 

Sie haben also in Ihrem ganzen Leben keine einzige Prüfung abgelegt?

André Stern: Eine schon. Und zwar die Führerscheinprüfung. Das Witzige an der Sache war, dass mir schon mein Opa im Alter von sieben Jahren das Autofahren beigebracht hatte. Ich konnte es also bereits schon lange, bevor ich die Prüfung ablegte. Als ich später in Paris in einr Nebenstraße einparken musste sagte mein Fahrlehrer: „Während der Prüfung musst du das Lenkrad aber anders halten. Die Prüfer sehen es nicht gerne, wenn man es innen hält.“ Schon damals dachte ich mir: „Es geht hier nicht um die Kompetenz des Fahrens und Parkens, es geht viel mehr darum dem Prüfer zu gefallen.“

Lesen und Schreiben – wie lernt man das, wenn man nie die Schulbank gedrückt hat?

André Stern: Im Alter von drei Jahren habe ich begonnen mich für Buchstaben zu interessieren. Ich habe öfter in Zeitungen geblättert und konnte bald einzelne Buchstaben und Wörter erkennen und lesen. Aber irgendwann ließ mein Interesse nacht. Mit neun Jahren konnte ich weder lesen noch schreiben.

Wie haben die Eltern reagiert?

André Stern: Die waren trotz allem sehr zuversichtlich. Man muss dazu sagen, dass ich zu Hause immer von Büchern umgeben war. Als ich schließlich das Interesse am Lesen gefunden hatte, ging es sehr schnell.

Das heißt, Ihre Eltern haben Sie unterrichtet?

André Stern: Nein. Unterricht war das nicht wirklich. Es war vielmehr so, dass ich mir für meine jeweiligen Interessen eigene Ansprechpartner gesucht habe. Das haben meine Eltern natürlich sehr unterstützt – sonst wäre das ja auch nicht gegangen. Als Teenager habe ich mich beispielsweise sehr für das Handwerk des Metalltreibens interessiert. Da haben meine Eltern eben einen Kunstschmied gefragt, ob ich ihm ein wenig über die Schultern schauen darf. Ich bin lange Zeit dort gewesen und habe dort sehr viel gelernt: Wie man Metalle formt und wie sie beschaffen sind. Das war quasi Kunst- und Physikunterricht in einem.

Sie waren niemals in einem Klassenverband – haben Sie Gleichaltrige niemals vermisst?

André Stern: Oh – da muss ich gleich eine Gegenfrage stellen: Wer entscheidet, dass es wichtig ist mit Gleichaltrigen zusammen zu sein? Das stimmt ja auch nicht mit der Realität überein. Egal ob im Berufsleben oder bei den Hobbys – überall trifft man Menschen unterschiedlichen Alters. Mein Glück war es immer, ein „Bad in der realen Gesellschaft“ zu genießen. Durch die Diversität lernt man ja auch viel mehr. Wenn ich mir heute meine Freunde anschaue, dann sind wir wegen gleicher Interessen miteinander verbunden, nicht wegen des gleichen Alters.

Ihre Deutschkenntnisse sind perfekt. Wir führen dieses Interview auf Deutsch und Sie sprechen beinahe druckreif. Sie haben sie die fünf Sprachen gelernt?

André Stern: Ach was! Ich spreche nicht perfekt. Aber ich arbeite täglich daran, denn das Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Eigentlich habe ich mir alle Sprachen selber beigebracht. Auch ein Säugling lernt ja die Muttersprache von selber. Was bei mir funktioniert hat war, dass ich Übersetzungen von Texten gelesen habe. Das waren Bücher, wo ein Text auf Französisch stand und auf der anderen Seite auf Deutsch. Das ist natürlich kein Konzept das für jeden passt, aber bei mir hat es gut funktioniert.

Lernen – wie definieren Sie für sich den Begriff?

André Stern: Das Zauberwort dabei ist die Begeisterung. Untersuchungen mit 15-Jährigen haben ergeben, dass diese jungen Menschen Bereiche im Gehirn haben die viel Größer sind als früher. Es sind vor allem die Bereiche der Daumenrepräsentanz. Klar – wir sprechen hier von den Smartphones. Das zeigt also: Wenn man viel trainiert, dann wird der Bereich größer. Das funktioniert aber nur, wenn man etwas mit großem Enthusiasmus macht – also mit Begeisterung. Mein Tipp ist also: Menschen! Begeistert euch!  Denn das Tolle an der Begeisterung ist, dass man dadurch Kompetenzen erlangt. Und diese Kompetenzen bringen in weiterer Folge den Erfolg, der schließlich dann einen wundervollen Nebeneffekt bringt: Das Geld.

Sie haben ein Buch über ihre Erfahrungen mit dem Leben ohne Schule geschrieben…

André Stern: Ja, ich engagiere mich in der Bildungslandschaft. Ich arbeite viel mit Menschen, die sich beruflich mit Schule beschäftigen. Meine Bildungsgeschichte ist ja kein persönlicher Verdienst, aber sie ist für viele eine Ermutigung, eine Einladung und eine Inspiration für mehr Vertrauen und weniger Angst. Es gibt für mich nichts Positiveres, als wenn Leser meines Buches mir mitteilen, dass sie sich nach der Lektüre FÜR die Schule entschieden haben. Faktum ist: Spielen ist stetiges Lernen. Zu erfahren, dass es ungeahnte Möglichkeiten gibt, zu Erfolg und Bildung zu kommen, schafft mehr Raum für persönliche Entscheidungen. Darum geht es mir.

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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