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Mit Kindern im Krankenhaus: Diese Ausnahmesituation ist für alle schwierig.
Mit Kindern im Krankenhaus: Diese Ausnahmesituation ist für alle schwierig.

Mit Kindern im Krankenhaus: Tipps von der Psychotherapeutin

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Ausnahmesiutation für alle Beteiligten: Das Kind muss ins Krankenhaus. Egal ob geplant oder akut – ein Krankenhausaufenthalt ist eine Belastung für jedes einzelne Familienmitglied. Wir haben bei der Linzer Psychotherapeutin Irmgard Schürer nachgefragt, wie sich Kinder und Eltern am besten auf einen Krankenahusaufenthalt vorbereiten können.

Wie soll man als Eltern mit der Angst umgehen?

Irmgard Schürer: Generell muss man unterscheiden: Handelt es sich um einen geplaten Krankenhausaufenthalt des Kindes oder einen aktuen. Außerdem spielt natürlich das Alter des Kindes eine große Rolle. Fakt ist: Hat ein Kind einen Unfall und muss akut behandelt werden, so kann selbst ich als Psychologin nicht viele Tipps geben, außer versuchen in der Kraft zu bleiben und Ruhe zu bewahren.  Und natürlich sollte man als Mama nicht alleine den Krankenhausaufenthalt durchstehen müssen. Abwechslung mit anderen Bezugspersonen im Spital sind wichtig.

Akute Verletzungen sind für Eltern immer eine Ausnahmesituation. Die Eltern wissen nicht, was passiert. Die Kinder weinen vor Schmerzen. Hier gilt: Je ruhiger die Bezugsperson, desto ruhiger ist das Kind. Auch wenn das natürlich  schwer fällt. Manchmal ist es gut, wenn der Papa oder eine Großmutter in die Notaufnahme fahren, weil diese dann vielleicht gelassener reagieren. Die Patentante ist Krankenschwester? Der Onkel ist Arzt? Einfach mitnehmen oder einspringen lassen…

Wichtig ist es zu bedenken: Nicht jede Verletzung und jede Krankheit ist in der Wirklichkeit so schlimm, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Man muss da realistisch bleiben. Eine abgeschnittene Fingerkuppe ist tragisch, wird nicht zum Tod führen. Außerdem hilft es, wenn man sich sagt: „Ich muss mich auf das Kind und auf den Arzt konzentrieren, das ist jetzt meine einzige Aufgabe, nur so kann ich meinem Kind helfen“.

Wie kann man Kinder am besten auf geplante Operationen vorbereiten?

Irmgard Schürer: Oft ist es ja so, dass man auf gewissen Operationen lange Wartezeiten hat. Man kann also Kinder in dieser Zeit sehr gut darauf vorbereiten, was sie erwarten wird. Das ganze kann man auch bei Kleinkindern (ab 1 Jahr) gut machen. Außerdem kann man für die Zeit im Krankenhaus auch schon Freunde und Familie zu Besuchen einteilen. Kinder mögen es sich auch im Krankenhaus mit ihren gewohnten Freunden oder Geschwistern zu spielen, wenn der Gesundheitszustand es zulässt. Die Spielzimmer in Krankenhäusern sind oft Virenschleudern. Darum macht es Sinn sich Play-Dates im Spital auszumachen.

Wenn es um die Ängste der Kinder geht, kann ein Kinderbuch dabei sehr hilfreich sein, den Kindern vor einem Krankenhausaufenthalt die Angst zu nehmen. Kinderbücher*, die von Krankenhäusern und Operationen handeln, bereiten die Kinder darauf vor, was auf sie zukommt und geben Sprechimpulse, die Unsicherheiten ans Licht bringen.
Eine Doktortasche (https://amzn.to/2NfxYOB*) zum Spielen hilft nicht nur dabei, den Kindern altersgerecht die Untersuchungen und Eingriffe zu erklären, sie kann auch später bei der Aufarbeitung des Krankenhausaufenthaltes helfen.

Am „Tag der offenen Tür“ kann man den Alltag im Kinderkrankenhaus hautnah erleben, mit einem bisschen Glück Klinikclowns kennen lernen und zusehen wie Teddys verarztet werden. Nach einem solchen erlebnisreichen Besuch, werden die Kinder weniger Angst haben, wenn sie ins Spital eingeliefert werden müssen.

Was tun wenn, Babys ins Krankenhaus müssen?

Irmgard Schürer: Hier hilft in Wahrheit nur gezieltes Bonding mit dem Kind. Also inniger Körperkontakt mit einer vertrauten Bezugsperson. Wichtig ist, dass man sich als Begleitperson mit jemand anderem Abwechselt um selber wieder Kraft zu tanken. Als Mama die mit einem Baby im Krankenhaus ist, sollte man für sich selbst auch Besuch organisieren. Grundregel Nummer ein ist: Mütter müssen sich immer wieder ablösen lassen. Die Kraft geht sonst irgendwann aus… In so einem Krankenhaus schläft man ja wenig, weil oft piepsende Monotore stören. Es gilt: So bald der Schlaf der Begleitperson weg ist, sind bald die Akkus leer.

Intensiv-Stationen sind für Eltern eine besondere Herausforderung.

Belohnen? Ja oder Nein?

Irmgard Schürer: Ich bin ein absoluter Fan davon. Wenn Kinder eine Extremsituation wie einen Krankenhausaufenthalt gemeistert haben, kann man sie dafür auch belohnen. Aus meiner Sicht spricht da nichts dagegen. Wir freuen uns ja auch über Geschenke, wenn wir etwas geleistet haben. Also können sich auch Mama und Papa nach so einem Klinikaufenthalt etwas gönnen.

Akuter Krankenhausaufenthalt auf der Intensivstation – was tun?

Irmgard Schürer: Wie ich schon gesagt habe, das ist noch mal eine ganz andere Situation als ein Leistenbruch auf der Normalstation. Das ist klar. Ich rate da den Eltern einfach sich ihr eigenen Sozialgefüge ins Krankenhaus zu holen. Die beste Freundin gibt da vielleicht mehr Kraft als die besorgte Großmutter. Und natürlich gibt es in allen Krankenhäusern auch eine psychologische Beratung. Die kann man immer in Anspruch nehmen.

Wohin mit den Geschwistern?

Irmgard Schürer: Wenn das Kind krank ist, möchte man ständig neben ihm sein. Das ist aber unmöglich, wenn man mehrere Kinder hat oder alleinerziehend ist. Man sollte in einem solchen Fall umbedingt um Hilfe bitten. Es lohnt sich auch, in der Klinik zu erkundigen, in vielen gibt es nämlich tagsüber auch für die Geschwister eine Betreuung. Wenn der Heimatort weit entfernt vom Kinderkrankenhaus liegt, kann man sich in Deutschland an den Elternverband Aktion Kind im Krankenhaus wenden, der in vielen Städten einen Besuchsdienst bietet. In Österreich hilft der Verein „KIB – Children Care“ und ist sogar 24 Stunden telefonisch erreichbar.

Mit oder ohne Mami – ein Grundrecht für Kinder

Die Nähe einer Bezugsperson ist für ein krankes Kind im Grundschulalter in einer solchen Situation unentbehrlich, deshalb gibt es in mehreren Kinderkliniken die Möglichkeit, dass ein Elternteil mit dem Kind im Zimmer schläft, in anderen Kinderkrankenhäusern wird der Begleitperson eine Matratze für die Nacht zur Verfügung gestellt, oder eine Unterkunft in Gästezimmern oder Gästehäusern angeboten.

Seit 1988 sichert die Europäische Charta für Kinder im Krankenhaus, dass Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-18 Jahren während eines Krankenhausaufenthaltes berücksichtigt werden. Es ist ein Grundrecht der Kinder, dass eine Begleitperson (Eltern oder Familienangehörige) ihnen während der Zeit im Hospital Beistand leistet.
In der Praxis sieht das heute so aus, dass die Ärzte in der Regel bis zum 9. Lebensjahr des Kindes die aus medizinischen Gründen notwendige Begleitung schriftlich bestätigen, damit die zusätzliche Kosten, die durch die Mitaufnahme einer Begleitperson des Versicherten entstehen, von den Krankenkassen bezahlt werden. Wenn man berufstätig ist, hat man das Recht bei einem Krankenhausaufenthalt seines Kindes von der Arbeit freigestellt zu werden. Bevor das Kind entlassen wird, soll man vom Personal der Station eine Bescheinigung ausstellen lassen, damit man Kinderkrankengeld beziehen kann.

Checkliste für die Kliniktasche 

Wenn es an der Ambulanz entschieden wird, dass das Kind zusammen mit einer Begleitperson stationär aufgenommen wird, ist man oft darauf nicht vorbereitet. Jemand muss dann nach Hause gehen und zusammenpacken. Am wichtigsten ist, dass man das Lieblingskuscheltier des Kindes nicht vergisst. Das ist der einzige Gegenstand, der ihm Geborgenheit geben kann. Im Idealfall hat man das Lieblingsplüschtier schon im Krankenwagen dabei. Auch nicht vergessen sollte man die Lieblingslebensmittel. Die Krankenhauskost ist oft sehr eintönig. Wenn das Kind gerne Streichwurst ist, sollte man diese mintnehmen.

Damit nichts Wichtiges zu Hause bleibt, stellten wir eine Checkliste für Sie zusammen:

  • Kuscheltier
  • Krankenhauseinweisung
  • Krankenversicherungskarte
  • Mutter-Kind-Pass/ Kinder-Untersuchungsheft – ggf. Allergieausweis – benötigte Medikamente
  • Für Babys: Schnuller, Schmusetuch, Wickelunterlagen, Windeln, Feuchttücher, Lätzchen
  • Utensilien für die Tagespflege
  • Schlafanzüge
  • Unterwäsche
  • Bademantel
  • bequeme Hosen und T-Shirts
  • Socken
  • Kinderbücher
  • Spielzeug und Malzeug
  • Tablet mit Ladegerät und Kopfhörer

    Checkliste für die Begleitperson
  • Kleingeld für Getränkeautomaten
  • Handy mit Ladegerät und Kopfhörer
  • bequeme Kleidung
  • Unterwäsche und Schlafanzug
  • Socken, Bademantel
  • Hausschuhe
  • Duschzeug
  • Taschentücher
  • Buch
  • Notizbuch mit Stift
  • Wasserflasche

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Wer schreibt hier eigentlich?

Zwillingsmama, Kinderdompteurin, Geburtstagsveranstalterin, Chaosmanagerin und „Mädchen für eh alles“: Unter dem Netz-Pseudonym Anna Attersee schreibe ich hier über das turbulente Leben mit Kindern – schonungslos ehrlich, denn einer schreit hier bei uns immer… Im richtigen Leben bin ich Journalistin, arbeite im Bereich „Irgendwas mit Medien“ und habe kürzlich mein erstes Buch veröffentlicht. Mehr über mich und unsere Familie findest du HIER.

 

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