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GASTBEITRAG „Meine Zwillingsschwangerschaft“: Lottas langer Weg zu den Wunschkindern

Pipilotta betreibt den Blog „Unser Weg zum Wunschkind“ und hat sich sehr lange danach gesehnt schwanger zu werden – umso toller finde ich es, dass sie uns heute Einblicke in ihre Zwillingsschwangerschaft gibt. Pipilotta schreibt: 

Das Leben mit Zwillingen ist etwas ganz Besonderes – das zumindest nehme ich an, denn noch erwarten wir sehnsüchtig den Tag, an dem unsere beiden Krümel endlich auch unsere Welt auf den Kopf stellen werden. Es gibt herrlich viele Blogs, über den ganz normalen täglichen Wahnsinn aus Sicht von Zwillingseltern und ich freue mich sehr darüber, dass „Einer schreit immer“ – oder einfach Anni – auch mich gebeten hat, für ihren wundervollen Blog einen Gastbeitrag zu schreiben.

Dieser Beitrag wird anders, denn wir sind ja noch gar keine Eltern… Dieser Beitrag erzählt Euch ein bisschen über die Entstehungsgeschichte, denn auch hier gibt es in unserem Fall viel zu erzählen…

 

Aber zuallererst möchte ich mich Euch aber vorstellen 🙂 Ich heiße Pippilottta – oder einfach nur Pippi – oder Lotta – bin Ende 30, komme aus dem hohen Norden und bin derzeit im 6. Monat mit unseren beiden Krümeln schwanger! (Wenn ich diesen Satz laut vorlese, klingt er so einfach, doch dahinter steckt ein laaanger und für viele ganz bestimmt auch ein sehr ungewöhnlicher Weg!)

Manchmal reißen Leute begeistert die Augen auf, sobald sie mitbekommen haben, dass ich eine Zwillingskugel vor mir herschiebe und fragen ganz entzückt: „Liegt das bei Ihnen in der Familie???“

Ich habe noch nicht die richtige Antwort parat und antworte daher meist irgendwas. Es ist ja eh nur Smalltalk und viele Leute sehe ich eh nie wieder. Tatsächlich ist es so, dass wir in unserer Familie bereits drei Zwillingspärchen haben: Einmal auf der Seite meines Lieblingsmenschen und zweimal auf meiner Seite (väterlicherseits). Wer sich jedoch ein wenig damit auskennt, weiß, dass das alles rein gar nichts damit zu tun hat, dass auch wir Zwillis erwarten, aber oft reicht den Leuten das schon als Antwort.

Unser Weg begann 2010, als mein Lieblingsmensch und ich beschlossen haben, dass wir ab jetzt auf Verhütung verzichten möchten, um unsere kleine Familie ein wenig zu vergrößern. Wir zogen um und kauften uns ein Haus, das groß genug war für uns beide, unsere Fellnasen und unsere späteren Mäuse. Wir ließen uns von unseren Ärzten einmal durchchecken und bekamen nur den Tip „ein paar Vitamine“ zu nehmen, dass würde es auch klappen. Als wir ungefähr eineinhalb Jahre später eine Kinderwunschklinik aufsuchten, fielen wir fast hinten über, als unsere Frau Doktor Bo uns mitteilte, dass wir auf natürlichem Wege niemals schwanger werden würden, da zum einen meine Werte für beginnende Wechseljahre sprechen würden und das Spermiogramm meines zu-dem-Zeitpunkt-noch-Freundes so unterirdisch sei.

Dass wir zu diesem Zeitpunkt von unseren Ärzten ganz schön veräppelt vorkamen, muss ich hier wohl nicht betonen! Hätten die beiden einmal offen und Klartext gesprochen, wären wir schon ein Jahr früher bei Doktor Bo aufgeschlagen, die Werte wären noch besser und die Chancen größer gewesen, aber wie sagt mein Frisör immer?

„Hätte, hätte, Fahrradkette!“

Es bringt rein gar nichts, verpassten Chancen nachzutrauern, sondern man muss schauen, wie die Lage ist und das Beste daraus machen (ganz im Mac Gyver-Style)!

Wir starteten also unsere erste ICSI 2012 (vorher folgten weitere Untersuchungen wie Genetik, weitere Spernmiogramme, Blutwerte etc., ein Probemonat, um zu sehen, wie ich auf die Stimulation reagieren würde und und und.). Das Gefühl war unglaublich! Nun bekamen wir Hilfe! Nun würde es klappen! Nun würde ich schwanger werden! Dass es auch nicht klappen könnte, daran habe ich zu dem Zeitpunkt gar nicht gedacht. Ich war weder in Foren unterwegs, noch hatte ich über andere soziale Netzwerke Leute gesucht, die in der gleichen Situation steckten. Das kam erst später.

Das erste Negativ hatte uns zwar gewaltig stolpern lassen, aber gleichzeitig auch unseren Kampfgeist geweckt! Da wir nicht verheiratet waren, mussten wir alle Kosten selber tragen (ca. 5000 Euro pro ICSI). Nun hatten wir das Glück, dass wir uns vor Kurzem unser Traumhäuschen gekauft hatten und so wurde das Geld, was eigentlich für eine Hecke, einen Zaun und andere Dinge eingeplant war, einfach kurzer Hand umdisponiert! ICSI 2 und 3 folgten in recht kurzen Abständen, da wir gefühlt keine Zeit zu verlieren hatten.

Ich selber geriet etwas in einen ich-will-das-und-ich-kann-das-Strudel

Und hätte ewig so weitermachen können (ich fühlte mich stark und bereit), doch mein Schatz zog die Notbremse und brachte mich dazu, mal innezuhalten, so dass wir uns selber eine Pause verordneten, hauptsächlich, um meinem Körper mal seine verdiente Ruhe zu gönnen, denn vier Stimulationen (und es wurde bei jedem Mal höher stimuliert), hinterließen ihre Spuren. Dazu muss ich sagen, dass ich zu der Zeit beruflich ganz schönen Ärger hatte mit meinem Chef, was auch seinen Teil dazu beitrug. Wir pausierten also etwas länger als ein halbes Jahr, ich versuchte es mit TCM, Massagen, Sauna, Gesprächstherapie, eben allem, was Körper und Seele gut tat! Uuund: wir heirateten!! 🙂 Nicht klein und heimlich, sondern groß und mit allen Freunden! Mein Schatz wünschte sich eine Traumhochzeit und ich gebe zu, zum Glück hat er sich durchgesetzt!

Emotional war ich zu dem Zeitpunkt zwar auf dem Tiefpunkt (ich hatte irgendwie den Bezug zu meinen Gefühlen verloren), aber es war ein traumhafter Tag und ich denke gerne mit einem Lächeln zurück! Leider bedeutete meine Entscheidung für meinen Lieblingsmenschen, die Entscheidung meines Papas gegen uns, aber das ist eine andere Geschichte. Unsere Flitterwochen verbrachten wir etwas kleiner als ursprünglich geplant, denn wir hatten ja noch einiges vor, was den KiWu anging. Und so brachten wir 2013 noch 2 weitere ICSIs hinter uns, leider immer wieder ohne jegliche Einnistung. Dieses Mal ließen wir uns mit jeder ICSI etwas mehr Zeit und auch die Menge der Medis reduzierten wir wieder. Denn was wir aus den ersten ICSIs gelernt hatten, war, dass eine höhere Stimulation zwar unter Umständen mehr Eizellen bedeutet würde (bei mir auf Grund der Wechseljahre nicht wirklich), die Qualität und damit die Befruchtungsrate jedoch immer schlechter wurde. Und was brachten uns 5 Eizellen, die grottig waren, wenn wir stattdessen nur 2 bekommen konnten, die perfekt waren!

Eine Verschnaufpause 

Nach ICSI 5 pausierten wir wieder eine Weile. Ich bekam den Tip, mich einmal in einer immunologischen Praxis komplett endokrinologisch untersuchen zu lassen und das tat ich (der Mann gleich mit). Wir kamen auf unserem bisherigen Weg eh nicht weiter und waren froh, wieder neue Gedankenanstöße bekommen zu haben. Bis das Ergebnis da war, dauerte es ein paar Monate und das war gut so. Wenn uns eins wichtiger war, als der Kinderwunsch, war es die Tatsache, uns als Paar nicht zu verlieren! Wir waren zu zweit auch schon komplett, ein Kind wäre eben nur das i-Tüpfelchen! Wir hätten auf der Stelle aufgehört, wenn das Weitermachen bedeutet hätte, dass wir daran zerbrechen! Zum Glück tickten wir aber recht gleich, was nicht immer leicht war, herauszuhören, denn Männer reden ja nicht immer so viel über Gefühle.

Hand in Hand (bildlich gesprochen) verbrachten wir die Wartezeit bis wir das Ergebnis der Untersuchung bekamen. Wir hatten beschlossen, mit Plan B (was dieser genau war, folgt später) weiterzumachen, falls nicht dabei herauskommen würde und unseren Plan A zu begraben. Zu diesem Zeitpunkt fing ich dann auch an, meinen Blog zu schreiben. Ich wollte, dass, sollten wir irgendwann wirklich Kinder haben, diese unseren Weg nachvollziehen und ganz wichtig: unsere Beweggründe und Entscheidungen verstehen können.

Die Ergebnisse der Untersuchung ließ uns weinen und lachen zugleich! Endlich wurde herausgefunden, warum keins der Himbeerchen es je geschafft hatte, sich einzunisten! Trotz einer super Qualität (zumindest zum Ende hin) und trotz der Tatsache, dass ich mir teilweise sogar 3 Beerchen einsetzen lassen hatte: Mein Immunsystem war zu stark, meine Killerzellen zu hoch, so dass jeglicher „Eindringling“ sofort bekämpft wurde. Wieder fingen meine Gedanken an, zu rotieren: „Was wäre gewesen, wenn…?“, „Wieso ist keiner der Ärzte von alleine darauf gekommen?“, „Wieviel Geld hätten wir sparen können?“ und und und… Aber gut! Heulen bringt uns auch nicht weiter und die Zeit lässt sich sowieso nicht zurückdrehen!

Wir sagten unseren Plan B und entschlossen uns dazu, einen letzten Versuch zu wagen: Und was soll ich sagen? Ich wurde schwanger! Zum allerersten Mal in meinem Leben wurde ich schwanger!! Und dass, obwohl nur eine einzige Eizelle punktiert werden konnte. Als ich den Test in den Händen hielt, habe ich geheult, geschrien und gelacht vor Glück (mir laufen jetzt gerade im Übrigen auch wieder die Tränen das Gesicht runter…)!

Schwanger! Ich!

Ich wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen, es war unbeschreiblich! Leider hat es unser Stöpsel nicht geschafft und ich musste in der 10. Woche ausgeschabt werden. In mir ist eine Welt zusammengebrochen und ich habe einen ganzen Sommer lang unter meiner Wolldecke auf der Couch verbracht! Ich brauchte eine Pause, ich brauchte Zeit für mich, angekuschelt an meinen Lieblingsmenschen, dem es mit Sicherheit ebenso ging wie mir.

9 Monate später starteten wir unseren allerletzten Versuch. Gedanklich waren wir schon bei Plan B, aber da wir den letzten Versuch auf Grund der Fehlgeburt erstattet bekamen, wollten wir diesen Strohhalm zumindest genutzt haben.

Als ich dann nach der Arbeit von meinem Schatz fest in den Arm genommen wurde, wusste ich, dass es nicht geklappt hatte (ich hatte ihn mittags anrufen lassen, um das Ergebnis zu erfahren) und es war ok. Ich war bereits für Plan B und begann noch an dem Abend, die neuen Weichen zu stellen.

Tatsache war, dass ich so gut wie keine Eizellen mehr hatte. Dass jeder weitere Versuch nun wieder von uns selbst zu tragen sein. Dass die Medis, die mein Immunsystem beschäftigen sollten, pro Versuch nochmal 2000 Euro extra bedeutet würden. Dass wir nur noch Geld für einen letzten Versuch auftreiben konnten und vorerst wollten, da sich unser Leben nicht ausschließlich um den Kinderwunsch drehen sollte. Dass wir alles menschenmögliche versucht hatten. Wir waren bereit für Plan B!

Wir hatten uns (schon im vergangenen Jahr) verschiedene Möglichkeiten überlegt: Samenspende (unnötig, da es ja vereinzelt gute Spermien gab), Adoption (dazu waren wir noch nicht bereit und außerdem zu alt), Embryospende (mein Plan C, da wie eine Adoption, nur mit Schwangerschaft), Leihmutter (kam für mich gar nicht in Frage, war die Idee meines Mannes, da die wenigen Eizellen ja im Prinzip eine tolle Qualität hatten), Pflegekind (wollten wir beide nicht) oder Eizellspende. Unser Plan B 🙂

An dem Abend des Negativs der letzten ICSI mit eigenen Eizellen habe ich direkt ein paar Kliniken angeschrieben und meinen Fragenkatalog geschickt (ich hatte mich ja schon über ein Jahr auf diesen Zeitpunkt vorbereitet). Ich wusste genau, was ich wollte und was ich nicht wollte. Wo wir kompromissbereit wären und dass, neben den „harten Fakten“ ganz wichtig der Funke überspringen musste! Und das tat er! Schon nach ein paar Tagen hatten wir eine Spenderin, einen Zeitplan (größtenteils von mir vorgegeben), die benötigten Medis bestellt, Urlaub eingereicht und unsere Reise geplant 🙂

Der Kampfgeist war wieder da!

Wir würden nochmal ganz von vorne anfangen, nur mit gespendeten Eizellen und dem Wissen, wie wir meinen Körper überlisten können.

Ich könnte jetzt noch eeewig weiterschreiben, aber Ihr könnt den Weg der Eizellspende auch ganz genau auf meinem Blog nachlesen. Ich habe tagebuchartig in dieser Zeit jeden Schritt, jeden Stolperstein (auch hier wäre einfach ja langweilig, oder?) und jeden Gedanken festgehalten.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass die Eizellspende die beste Entscheidung unseres Lebens war und ich soooo glücklich bin, nun nach dieser wirklich teilweise gruseligen Achterbahnfahrt diese beiden Krümel in mir zu spüren! Es hat etwas gedauert, bis mein Lieblingsmensch und ich uns wirklich komplett gefühlsmäßig auf diese Schwangerschaft einlassen konnten, denn zu groß war die Angst, wieder zu stolpern oder zu fallen, aber seit ein paar Wochen sind wir angekommen: Wir erwarten Zwillinge 🙂

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Noch mehr Zwillingsschwangerschaften? 

Ela musste sich täglich bis zu 40 mal übergeben

Claire hatte eine komplikationslose Schwangerschaft

Conny twitterte aus dem Kreissaal

 

3 comments

  1. Hey du,
    ich bin gerade auf deinen tollen Blog gestossen und da er mir so gut gefällt bin ich auch gleich mal Leserin geworden. Liebe Grüße, Petra von Papier und Tintenwelten für Klein und Gross

    PS. Wenn du nur etwas für etwas im für junge Erwachsene und Erwachsene suchst schau mal HIER

  2. Hallo Lotta,

    was für ein unglaublicher Weg. Ich wünsche Euch für alles was kommt genauso viel Kraft. Ich drück Dir die Daumen, dass du eine schöne Restschwangerschaft hast. Genießt die letzten Tage zu zweit
    LG

  3. Ja Lotta. Ich kenne deine Achterbahnfahrt. Auch ich musste einiges über mich ergehen lassen um schwanger zu werden. Angefangen von geldgierigen kiwu Kliniken bis blöden Sprüchen a la „dann solls nicht sein“ . Aufgrund meines Alters, damals 38, blieb mir nicht mehr viel Zeit. Auch ich hatte Plan B und C schon auf dem Schirm. Nach einem Urlaub machten wir auf der Heimreise einen Abstecher nach Österreich. Alleine die familiäre Atmosphäre tat meiner geschundenen Seele gut. Ich wollte schon gar nicht mehr in die praxis-zuviele Enttäuschungen in solcher Umgebung erlebt. Und ja-meine twins sind jetzt drei und wir sind nur glücklich.

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