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Fabienne erzieht ihre drei Kinder zweisprachig. Papa versteht nicht alles, lernt aber auch viel dabei...

Ohlala: Fabiennes Kinder wachsen zweisprachig auf…

Wie ist das, wenn Kinder mit zwei Sprachen aufwachsen? Überfordert es die Kleinen und wie funktioniert das eigentlich im hektischen Familienalltag? Ich habe mit einer Mama gesprochen die es wissen muss: Fabienne ist 35, lebt mit ihrer Familie in Vorarlberg und selbst zweisprachig aufgewachsen. Ihren drei Kindern die alle unter drei Jahre alt sind, bringt sie so nebenbei Französisch bei. Wie das geht? Das sagt sie im Interview.

Du bist selbst zweisprachig aufgewachsen – was sind deine Erinnerungen daran?
Ich bin mit einer österreichischen Mutter und einem französischen Vater aufgewachsen, die jeweils in ihrer Muttersprache mit uns Kindern gesprochen haben und es auch heute noch tun. Zuhause wurden dann auch schon mal die Sprachen vermischt, da beide Eltern beider Sprachen mächtig waren/sind. Die französische Verwandtschaft ist recht groß und somit wurde jedes Jahr Ferien in Frankreich gemacht.

 

War es für dich klar, dass deine Kinder zweisprachig aufwachsen werden?

Ich war mir eigentlich immer dessen bewusst, welches Glück es ist zweisprachig erzogen zu werden, mit zwei Kulturen groß zu werden. Ich wurde schon sehr oft darum beneidet. Diese Chance will ich meinen Kindern mitgeben. Mit meiner französischen Familie bin ich sehr verbunden, da möchte ich, dass meine Kinder auch was verstehen wenn wir z.B. jemanden besuchen. Außerdem ist das Französische auch ein Teil meiner Identität, auch daran will ich meine Kinder teilhaben lassen. Es geht ja nicht einzig allein um die Sprache, es wird damit ja auch Kultur und ein Lebensgefühl transportiert…

Mehr als nur eine Sprache - Fabienne geht es auch um ein Lebensgefühl.
Mehr als nur eine Sprache – Fabienne geht es auch um ein Lebensgefühl.

Wenn jemand eine Fremdsprache nicht als Muttersprache hat, beispielsweise wenn jemand Fremdsprachen studiert hat, macht eine zweisprachige Erziehung auch dann Sinn?

Ich glaube, es gibt schon Möglichkeiten, dem Kind einen Zugang zu einer 2. Sprache zu vermitteln. Allerdings denke ich nicht, dass dies dann die Alltagssprache sein würde… Es gibt die Theorie, dass man Kindern eine Sprache auch lernen kann, wenn sie bspw. jeden Tag eine Stunde in dieser Sprache sprechen oder z.B. Bücher anschauen. Was aber mit Sicherheit fehlen würde, ist z.B. die gesamte Babysprache, die Kinderlieder und Reime, also Aspekte, die man im Studium nicht lernt und die man wahrscheinlich nur im demjenigen Land selber lernen kann. Und dann ist ja auch noch die kulturelle Seite, ob man dann als « nur » Lehrerin die französischen Traditionen und das Lebensgefühl mitgeben kann, glaub ich weniger.

Ist es viel Aufwand? Wann besonders?

Eigentlich ist es gar kein Aufwand. Ich habe konsequent von Anfang an (schon in der Schwangerschaft) französisch zu den Kindern gesprochen. Es ist ganz normal für beide Seiten. In der Öffentlichkeit wird man eventuell mal von der Seite gemustert, aber das übersieht man auch irgendwann… Und wenn man sieht wie leicht ein Kind zwei Sprachen aufnimmt, lohnt sich dafür alles! Ich bin allerdings auch sehr sehr froh, dass mein Papa mich unterstützt und auch konsequent nur französisch mit den Kleinen spricht. Da auch meine Neffen und Nichten zweisprachig aufwachsen, versuche ich die Kinder untereinander auch französisch sprechen zu lassen, um ihnen zu zeigen, dass noch mehr Personen in unserer Familie diese Sprache benutzen. Das klappt bisher auch ganz gut ! Wir haben auch bewusst bei der Wahl der Taufpaten darauf geachtet, dass mindestens einer davon französisch spricht, um dem Kind noch mehr Anreize zu bieten…

Wie geht Papa der Kinder damit um, er spricht ja nicht Französisch…

Wir haben schon vor den Schwangerschaften vereinbart, dass wir die Kinder zweisprachig erziehen wollen. Er sieht die Chance für die Kinder und möchte das natürlich auch. Er kann auch gut damit umgehen, dass er in gewissen Gesprächssituationen ausgeklammert ist. Und obwohl er nie französisch gelernt hat, hat er sich die wichtigsten Wörter, die wirklich jeden Tag verwendet werden (Schnuller, Windel, schlafen, essen, die wichtigsten Tiere usw.) schon angeeignet, alleine nur übers Hören. Auch er versucht oft übers Englische Wörter abzuleiten. Er wird es wohl nie aktiv sprechen können, aber gewisse Dinge verstehen geht. Und oftmals kann er situationsbedingt schon erahnen, um was es gerade geht.

Was sind die größten Herausforderungen?

Konsequent zu bleiben. Wenn mein Kind mit anderen Kindern spielt, ich dann meines auf Französisch anspreche und im nächsten Satz ein anderes Kind auf Deutsch…. Dann trotzdem dabei bleiben, ist nicht immer einfach. Noch sieht die Kleine das oft als ein Spiel: Wie sagt Maman? Wie sagt Papa? Aber irgendwann wird sie vielleicht sagen, ich will nicht dass du vor meinen Freunden französisch sprichst oder sie antwortet nur noch auf Deutsch… für diese Situationen bin ich noch nicht gewappnet, allerdings ist mir sehr wohl bewusst, dass das auch in Bälde eintreten kann… Ich selbst hatte zwischen 3 und 5 Jahren die Phase, dass ich nichts mehr französisch gesagt, aber sehr wohl alles verstanden habe…

War das erste Wort deiner Kinder in D oder in F?

Dadurch dass ich als Mutter die „Fremdsprache“ spreche, waren die ersten Wörter französisch. Aber der Papa bleibt auch nicht untätig und so ist es schon einigermaßen ausgeglichen. Und das Umfeld spricht ja auch deutsch, und somit kommt schon Input. Und eines der ersten Wörter war z.B.: der Ball, oder la balle, da ist es schwer zu sagen welche Sprache das Kind gewählt hat.

Welche Sprache sprechen sie besser?

Einen größeren Wortschatz haben sie derzeit noch auf Französisch (also bis jetzt spricht ja nur eines von den dreien), weil dann doch ich die meiste Zeit mit ihnen verbringe, Bücher anschaue usw. Ich gebe meine Kinder bewusst nicht in eine Spielgruppe oder Kindergarten, damit der deutsche Einfluss jetzt noch nicht überhandnimmt. Es ist mir sehr wichtig, dass sie eine solide Basis speziell im Französischen bekommen, das Deutsche wird so und so früher oder später die dominante Sprache. Sie können aber schon sehr leicht unterscheiden, wer in welcher Sprache spricht. Die Dreijährige übersetzt auch schon teilweise. Wenn wir gemeinsam am Tisch sitzen und ein neues Wort taucht auf, dann wiederholen wir es in beiden Sprachen.

Du bist selbst 2-sprachig aufgewachsen – war das rückblickend manchmal verwirrend?

Als kleines Kind kann man eigentlich sofort unterscheiden, wie man mit wem spricht. Und man identifiziert eine Person auch mit der Sprache. So kann ich zum Beispiel auch heute nicht auf Deutsch mit meinem Vater sprechen bzw. auf Französisch mit meiner Mama, es geht einfach nicht. Wenn ich meinen Papa deutsch sprechen höre, bzw. er mich etwas auf Deutsch fragt, ist er fast wie eine fremde Person. Die Sprache ist eng verbunden mit Gefühlen, so ist zwar auch bei mir das Deutsche dominant, aber das Französische ist eher die Herzenssprache. Gewisse Dinge lassen sich auf Deutsch nicht sagen, andere wiederum nicht auf Französisch. In der Schule hatte ich nie Probleme, allerdings war es für die Französischlehrer nicht einfach. Die erste Lehrerin hat mich ihre Hausübungen und Tests korrigieren lassen, der zweite Lehrer hatte definitiv ein Problem damit. Bei mir wurde jeder Beistrich negativ bewertet, er tat sich extrem schwer mir ein « Sehr gut » zu geben… Eine Hausübung, die ich extra meinen Vater anfertigen ließ, war gerade mal eine Drei. Aber man lernt darüber zu lächeln… Und die Mitschüler waren oft sehr dankbar über Hilfe…

Gibt es bestimmte Studien, die du gelesen hast, bevor du dich dazu entschieden hast?

Nein, da es für mich immer schon klar war, dass ich das so machen will, war das in dem Sinn keine plötzliche Entscheidung. Ich beschäftige mich allerdings schon gern mit dem Thema, weil ich es grundsätzlich sehr interessant finde.

Bücher/TV etc. – wie macht ihr das?

Also ich erzähle prinzipiell jedes Buch auf Französisch. Wir sind ziemlich gut mit französischen Büchern, Comics, CDs usw. ausgestattet und der Papa kann die französischen Bücher ebenso gut auf Deutsch erzählen. Bis jetzt kein Problem. Ich lasse bevorzugt französische Kinderlieder laufen, also z.B. im Auto. Fernsehen ist noch nicht so das Thema bei uns, allerdings will ich, solange ich das irgendwie steuern kann, die Kinder ausschließlich französisch fernsehen lassen. Auch da sind wir gut ausgestattet. Wie ich das allerdings mit dem Lesen lernen handhaben werde (das Französische weicht ja gesprochen etwas vom Geschriebenen ab), weiß ich selbst noch nicht genau….Für Anregungen bin ich also dankbar… 😉

TV und Bücher werden hauptsächlich auf Französisch geschaut und gelesen.
TV und Bücher werden hauptsächlich auf Französisch geschaut und gelesen.

 

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2 comments

  1. Unser Sohn ist nur zu fällig im 2 sprachigen Kindergarten. Es war der einzige freie Platz weit und breit. Wir dachten eine zweite Sprache schadet nicht. Der Kindergarten ist ein deutsch italienischer . In jeder Gruppe gibt es Erzieherinnen die ihre Muttersprache deutsch ist und Erzieherinnen deren Muttersprache italienisch ist. Die Erzieherin spricht so gut wie immer ihre Muttersprache. Mein großer bekommt viel mit und versteht vieles und fängt auch zu hause an auf italienisch zu zählen. Das ist so schön, wir können selbst kein italienisch ( Mitlerweile ein paar Worte ) die Kinder der kommen auch damit zurecht. Es gibt einige Familien wo beide sprechen gesprochen werden. Deren Kinder lernen sehr schnell ihre devizite in der anderen Sprache aus zu gleichen. Die anderen Familien die zu hause (fast) nur eine Sprache sprechen , die Kinder lernen auch schnell die andere Sprache. Wie mein Sohn der bei der u Untersuchung beim Arzt nur auf italienisch zählen wollte. Es werden deutsche wie auch italienische feste gefeiert. Kinderlieder (manchmal sogar die selben) in beiden Sprachen abwechselnd. Unseren Sohn macht es Riesen Spaß und der kleine freut sich auch schon riesig auf den Sommer , denn dann darf er auch da bleiben.

  2. meine beste freundin erzieht ihre kinder auch 2 sprachig deutsch französisch. sie ist frankokanadierin
    und ihre eltern sprechen nur französisch . sie hat ihren deutschen mann der in kanada aufgewachsen ist in kanada kennengelernt. die beiden sprechen englisch miteinander . er spricht mit den kindern deutsch sie nur französisch . ihre kinder sind in der zwischenzeit alle in der schule der älteste versteht alles auf französisch weigert sich aber seit jahren mit seiner mutter französisch zu sprechen er spricht nur mit den grosseltern französisch . die mädchen verstehen und reden sehr gut französisch . allerdings dürfen alle drei nur auf französisch fernsehn und die grosseltern haben als sie kleiner waren immer frankokanadische bücher und filme geschickt.
    der interessanteste nebeneffekt ist da die eltern englisch miteinander reden verstehen die kinder auch relativ gut englisch.
    erlicherweise muss man sagen wenn man bei ihnen zu gast ist kommt man sich manchmal im irrenhaus vor weil gefühlt jeder eine andere sprache spricht und sowohl meine freundin als auch ihre mädchen von einem satz zum andern die sprache wechseln . aber für die schule hat es nur vorteile sie sind sowohl in englisch als auch in französisch sehr gut.

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer…

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