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Schlagen kann man als Elternteil sehrwohl bewerten...

Warum es mich stört, wenn mein Kind mich schlägt

Nennt mich altmodisch. Ich mag es nicht, wenn mein Kind mich schlägt. Auch wenn ich damit vielleicht alleine dastehe. Wisst ihr warum ich es nicht mag? Weil es weh tut. Weil ich es nicht verdient habe. Und außerdem: Man schlägt nun mal nicht.

Tja. Wer ist nun dieser „man“? Dieser „man“, das sind du und ich. Dieser „man“ ist die Gesellschaft in der wir alle leben und nach deren Grundregeln wir ein respektvolles Zusammenleben forcieren. Zu diesen Grundregeln zählen Umgangsformen und Achtung vor anderen Individuen. Dass ich gegen das angepasste und in Statistiken gepresste Kind bin, das wisst ihr ja bereits. Nichts liegt mir ferner, als dressierte Affen zu erziehen, die als systemerhaltende Steuerzahler keine Fragen stellen wollen. Ich mag unangepasste Menschen.

Aber Kinder brauchen Regeln. Auch 2-Jährige. Klar, Grundregeln des Zusammenlebens sind manchmal unsexy und verkaufen sich vielleicht nicht so gut. Als Eltern trifft man dabei auf Widerstand beim Kind, und das ist sehr anstrengend. Aber ist das nicht unser Job als Eltern? Unsere Zeit aufzuwenden und Regeln zu erklären? Regeln die durchaus sinnvoll sind? Etwa, dass man sich NICHT gegenseitig schlägt?

Kinder können Zusammenhänge in der Welt in ihrem Großen und Ganzen nicht erkennen. Sie handeln intuitiv und vielleicht impulsiv. Kinder sind in diese Welt geboren und wissen nicht, wie man sich darin verhält. Das müssen sie lernen. Durch Vorbilder und durch die Regeln des Zusammenlebens. Und eben diese Strukturen müssen wir ihnen als Eltern mitgeben. Denn woher sollen die Kinder sie sonst haben? Wenn sie schlagen ist das immer ein Zeichen der Ohmacht. Doch sehrwohl müssen wir als Erwachsene diese Handlung einordnen und bewerten. Es ist daher völlig in Ordnung zu sagen: „Man schlägt sich einfach nicht.“

Stell dir vor du bist plötzlich Pilotin und niemand zeigt dir wie du fliegen kannst…

Ich denke dabei an mich selbst: Wenn ich jetzt plötzlich einen Düsenjet lenken müsste, so wäre ich völlig überfordert. Denn ich weiß nichts über Flugzeuge und habe keinen Flugschein. Wenn man mir aber Stück für Stück zeigt, wie es geht, wenn mir ein guter Mentor zeigt wie die Maschine zu steuern ist, dann könnte ich vermutlich in absehbarer Zeit einen Flieger sicher zu Boden bringen. Ich hätte also einen Lehrer, der mir die Grundregeln des Fliegens beibringt. Dieser Lehrer muss mich nicht hassen oder einschärnken. Er muss mich auch nicht in meinem Sein beschränken. Nein im Gegenteil. Er wird mir step by step zeigen, welche grundlegenden Handwerkzeuge ich benötige um so ein Flugzeug sicher landen zu können. Ohne dass Schäden für mich oder meine Umwelt entstehen.

Ich sehe uns Eltern als Fluglehrer.

Sagte nicht schon Goethe: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Ja! Genau das ist unsere Aufgabe. Und wir müssen unsere Verantwortung als wohlwollende Mentoren sehr ernst nehmen. Denn unsere Kinder sind oft mit Handlungen, Situationen und Gefühlen überfordert. Darum haben sie ja uns. Wenn wir sie damit alleine lassen, dann ist das den Kindern gegenüber unfair.

Mehr zum Thema: 

Ich will das nicht! – Grenzen von Eltern

Wer schreibt hier eigentlich?

Zwillingsmama, Kinderdompteurin, Geburtstagsveranstalterin, Chaosmanagerin und „Mädchen für eh alles“: Unter dem Netz-Pseudonym Anna Attersee schreibe ich hier über das turbulente Leben mit Kindern – schonungslos ehrlich, denn einer schreit hier bei uns immer… Im richtigen Leben bin ich Journalistin und arbeite im Bereich „Irgendwas mit Medien“. Mehr über mich und unsere Familie findest du HIER.

5 comments

  1. Anneliese, danke dir für die Reaktion auf den Artikel – das ehrt mich! 🙂 Und der Diskurs ist richtig und wichtig. Lass mich hier direkt am Blog bitte auch noch Stellung beziehen. Denn genau darum geht es ja: Unsere Kinder eben mit unseren Emotionen NICHT alleine zu lassen, nur, weil sie „negativ“ und für uns unangenehm sind. Damit Leserinnen hier auch die Einblicke haben, die auf FB gerade geteilt wurden, erlaub ich mir, dir mein Kommentar von dort um ein paar Gedanken ergänzt hinein zu kopieren.

    Ich fürchte, du hast meinen Text falsch verstanden bzw. ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt. Denn natürlich soll man Kindern beibringen, wie man sich fühlt, wenn das Kind hinhaut. Dass man sich schlecht fühlt, dass das Schlagen keine Lösung sein sollte, und und und. Die Mutter in meinem Artikel hat das alles versucht – und es hat nicht geholfen. Weil das Kind nicht aus Bösartigkeit schlägt, sondern aus Überforderung.

    Was machst du, wenn du nicht mehr weiter weißt? Wenn du schon überlegst, ob ein „Klaps“ wohl das Richtige wäre, weil du komplett ratlos und verzweifelt bist? Welche Wege gibt es, wenn dein Kind entwicklungstechnisch einfach noch nicht so weit ist, noch keine anderen Methoden anwenden kann, in einer Ausnahmesituation? Kleinkinder (!) die aus Überforderung schlagen sind nicht gewalttätig. Sie haben keine böse Absicht, sie sind schlicht hilflos. Hier Gefühle nicht zuzulassen, nicht zu begleiten, weil sie für uns persönlich unangenehm sind oder in der Gesellschaft (die du im Artikel ja ausführlich beschreibst) nicht mit einem „Bravo“ beklatscht werden, ist nicht der richtige Weg. Hierzu ist zB Juul über Aggression bei Kindern interessant (http://www.t-online.de/leben/familie/kleinkind/id_64266968/jesper-juul-eltern-muessen-aggression-zulassen-koennen.html) wir müssen wieder lernen, alle Gefühle anzunehmen – auch wenn sie uns unangenehm sind. Kleinkinder erfahren den richtigen Umgang mit Wut und Co nicht, indem wir Eltern sie um jeden Preis unterdrücken oder ihnen drohen, wenn sie sich so ausdrücken. Die Ratschläge in meinem Artikel (die Handflächen anzubieten, damit das Kind darauf schlagen kann – Bzw einen Polster, wenn dir das lieber ist) kommen von einer familienbegleiterin, die die Realität vieler Eltern kennt – nicht von einer dahergelaufenen Ahnungslosen.

    Vielleicht hast du die Frage im Titel so provokant gefunden, dass du gleich dicht gemacht hast bei den weiteren Ausführungen. Es geht nicht ums Ertragen der kindlichen Schläge – es geht ums gemeinsame Gestalten einer Situation, die sehr unangenehm, aber dennoch da ist. Ums aktive Anbieten, führen des Kindes. „Wie wütend bist du? Zeig mal!“ – eine Einladung ans Kleinkind, sein zu dürfen. So, wie es gerade empfindet.

    Du hast eingeräumt, dass ich den Artikel wohl missverständlich geschrieben hab. Das kann durchaus sein, denn ich habe nicht groß ausgeholt, einen riesigen Exkurs ins Thema „Unerzogen“ oder „Beziehung statt Erziehung“ vorgenommen. Meine Leserinnen kennen meine Ansätze. Da dieser Artikel auch viele andere, neue Leserinnen erreicht, gibt es hier viel mehr unterschiedliche Sichtweisen und viele Mamas, die sich mit den Thematiken noch nicht auseinandergesetzt haben bzw. damit evtl. leider per se nichts anfangen können.

    Ich danke dir für deine Reflexion! 🙂 Alles Liebe!

    • einerschreitimmer

      Hi liebe Jeannine!

      Danke dass du hier noch Stellung beziehst. Ich denke das ist auch wichtig, weil dein Text ja auch in Fachgruppen sehr kritisch rezipiert wurde. In deinem Posting geht es darum (frühkindliche) Gefühle wie Wut zu kanalisieren. Das ist wichtig und richtig, wir müssen Kinder in ihren Emotionen begleiten. Menschen/Tiere sollten aber nie zum Abreagieren da sein, das lehrt die Kinder ein falsches Weltbild. Selbst 2-Jährige sollten etwas anderes lernen als auf Menschen/Tiere einzuschlagen (auch wenn sonst nix hilft) – auch nicht auf Körperteile der Eltern (das hat auch viel mit den eigenen Grenzen als Eltern zu tun -> https://geborgen-wachsen.de/2017/08/03/ich-will-das-nicht-grenzen-von-eltern/) .

      Ich denke, dass du das wohl auch nicht so gemeint hast, sondern vielleicht nur missverständlich ausgedrückt hast. Die Überschrift lädt natürlich zum Klicken ein, ist aber auch eine Verantwortung das richtig dazurstellen. Gerade deswegen war es mir so wichtig auf dein Posting zu antworten, denn es hinterlässt Fragezeichen. Ich schreibe hier nur kurz, weil wir das ja ohnedies schon genug dazu gesagt wurde.

      VLG und alles Liebe!

  2. Hallo,

    ich hab auch einmal eine Mutter mit ihrem Kind (Jungen) erlebt. Er hat sie dauernd im Gesicht geschlagen. Ihr war es dann irgendwann zu viel und sie hat ihm die Arme festgehalten, bis dann Ruhe war. Kurze Zeit später hat er wieder damit angefangen. Und man hat ihr angesehen, dass die Schläge weh tun.
    Ich weiß nicht, was ich in ihrer Situation getan hätte, aber ich hätte mir das nicht gefallen lassen. Ich hätte gesagt, lass das, es tut mir weh. Oder gefragt was los ist. Aber meist weiß man das ja nicht.
    So wie du schon schreibst, es könnte auch eine Überreaktion von etwas sein.
    Ich hoffe, dass ich später in so einer Situation mit meinem Kind einen kühlen Kopf bewahre, denn gefallen lassen möchte ich mir sowas nicht.

    Lieben Gruß

    Melli

  3. Habe das Thema auch gerade. Hin und wieder kommt es vor, dass meine Madame so in Rage ist, dass sie um sich schlägt, mich auch. Ist gar nicht leicht, sie herunterzubringen. Wenn nicht fast unmöglich, bis sie sich selbst beruhigt. Wenn sie anfängt herumzuschlagen, erinnere ich sie daran, dass man keine Menschen schlagen darf, sie möchte ja auch nicht geschlagen werden. Glücklicherweise versteht sie selbst in diesem Zustand…

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