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Ist es sinnvoll, Zwillinge im Kindergarten zu trennen? Eine Pädagogin gibt Antworten.

Interview: Soll man Zwillinge im Kindergarten trennen?

Motessori-Pädagogin und Kindergärtnerin Mirja ist 33 Jahre alt und Zwillingsmama. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet sie als staatlich anerkannte Erzieherin und diplomierte Montessoripädagogin im Bereich der Elementarpädagogik. Seit ihrer Schwangerschaft 2013 genießt sie die Elternzeit mit ihren Mädels – heute erzählt sie im Interview – als Mutter und Expertin – ob man Zwillinge in die gleiche Kindergartengruppe geben sollte.

Hast du als Pädagogin schon einmal Zwillinge betreut? Was war die Besonderheit?

Zweimal hatte ich Zwillinge in der Gruppe, beide Male waren es zweieiige Pärchen also Junge und Mädchen. Die Erfahrungen sind so verschieden wie die Kinder. Das erste Zwillingspärchen ist als solches gar nicht groß aufgefallen. Denn die Eltern hatten sich bewusst dafür entschieden, die Kinder in verschiedene Gruppen zu geben. Hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich nicht drauf gekommen, dass die beiden überhaupt Geschwister sind, so unterschiedlich waren sie. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich sogar den Eindruck, dass sie sich nicht mal besonders mochten. Genau das war auch der Grund, warum sich die Eltern bewusst für getrennte Gruppen entschieden hatten. Denn zu Hause wurde der Alltag von Streitereien und Zoff unter den beiden geprägt.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass es den beiden sehr gut getan hat in getrennten Gruppen zu sein. Sie haben sich unabhängig voneinander entwickelt, ganz ohne Konkurrenzkampf und Vergleiche. Das tat den beiden sichtlich gut und so wurde auch die Situation zu Hause entspannter. Das andere Zwillingspärchen war zusammen in meiner Gruppe, auch die beiden standen irgendwie immer in Konkurrenz zueinander, allerdings nicht so ausgeprägt, dass ich den Eltern zu einer Trennung geraten hätte. Denn die beiden waren sich im Alltag eine große Stütze. Gerade am Anfang taten sie sich schwer im Kindergarten. Sie mussten direkt von morgens früh bis nachmittags spät bleiben, weil die Mutter wieder Vollzeit in den Job einstieg. Die beiden kamen auch später zusammen in eine Klasse.

Was empfiehlst du persönlich nun Zwillingseltern?

Diese Frage kann man so pauschal nicht beantworten. Das hängt ganz von den Kindern ab. So wie im oben beschriebenen Fall, würde ich den Eltern auch zu einer Trennung in verschieden Gruppen raten. Auch wenn z.B. ein Zwilling sehr dominant und der anderen eher den unterwürfigen Part übernimmt, kann so eine Trennung viele Vorteile bringen. Der Aspekt, dass sich so jedes Kind individueller entwickeln kann und sich unabhängig entfalten kann, ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Punkt, aber dennoch nicht alles.

So gehen meine Töchter z.B zusammen in eine Kindergartengruppe. Sie geben sich gegenseitig Halt, wenn Mama mal nicht da ist. Das war mir als Mutter auch ein großes Anliegen. Allerdings sind meine Kinder vom Temperament und Charakter her sehr ähnlich. Es gibt sehr selten Streit zwischen ihnen. Auch habe ich das Gefühl, dass sie nicht zu sehr aneinander kleben, sondern dass jede ihre eigenes Ding macht. Daher habe ich mich bewusst dafür entschieden, sie gemeinsam in eine Gruppe zu geben. Generell denke das Zwillinge eine enge Verbindung haben und das sie selbst irgendwann die Entscheidung treffen können sich von ihrem Zwilling abzukapseln oder eben nicht. Eine Trennung unter Tränen wäre für mich nur im Härtefall vertretbar.

Wie ist es für andere Kinder in einer Gruppe mit Zwillingen zu sein?

Hier macht es einen großen Unterschied ob es sich um ein- oder zweieiige Zwillinge handelt. Meine Mädels sehen sich zum verwechseln ähnlich und das ist für die Kinder natürlich faszinierend und spannend. Ebenso ist es für die Erzieher schwierig die beiden auseinander zu halten.

Mir persönlich ist es immer wichtig das die Kinder mit Namen angesprochen werden und sie nicht mit „die Zwillinge“ gerufen werden. Ich finde es nicht gut, wenn Zwillinge immer als Einheit wahrgenommen werden. Es sind und bleiben zwei eigenständige Persönlichkeiten und so sollten sie auch wahrgenommen werden.

Was wünschen sich die Pädagoginnen von den Eltern?

Zusammenarbeit und eine gute Vertrauensbasis, aber das wünschen wir uns von allen Eltern…  Speziell von Zwillingseltern wünsche ich mir, dass die Kinder nicht gleich angezogen sind. Das finde ich für alle Beteiligen furchtbar. Das Kind soll, wie oben erwähnt, als Individuum wahrgenommen werden. Was ich bei meinen Töchtern z.B. gemacht habe, kleine Haarspangen mit Namen damit es die Erzieher am Anfang leichter haben. Auch Hausschuhe oder Halstücher mit Namen sind dann eine nette Idee.

Zwillinge als Einheit – ist das so?

Ich denke Zwillinge bilden immer eine Einheit. Die einen mehr, die anderen vielleicht nicht ganz so eng. Und das ist auch gut so! Wichtig finde ich, das Erwachsenen „die Zwillinge“ nicht ständig als Einheit sehen. Auf Dauer wäre es nicht förderlich für der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.

Helfen sich Zwillinge einander mehr als andere Geschwister?

Das kann ich so gar nicht beantworten. Da habe ich schon Verschiedenes erlebt. Ich kenne Zwillingspaare, die würden sich vermutlich erschlagen wenn man ihnen zwei Bratpfannen reichen würde. Andere sind sehr liebevoll und hilfsbereit untereinander. Ich denke da liegt einiges in den Genen und an der Erziehung.

Was würdest du rückblickend anders machen?

Ganz ehrlich? …Nichts! Aber frag mich in ein paar Jahren nochmal…  Man kann weder als Mama noch als Pädagogin alles richtig machen. Aber man kann es mit Herz und nach besten Wissen und Gewissen machen.

Ganz was anders: Warum hast du dich in deiner Ausbildung eigentlich für den Schwerpunt Montessori entschieden?

Ich bin durch mehr oder weniger durch Zufall in einem Montessori Kindergarten gelandet und umso mehr ich mich damit beschäftige habe, umso begeisterter war ich. Darauf hin hab ich dann einen Montessori Diplomkurs besucht. Vielleicht magst du irgendwann mal was darüber berichten. Dann helfe ich gerne nochmal. Bei euch in Österreich gibt es ganz tolle Montessori Einrichtungen! 😉

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