Homeoffice, Homeschooling oder doch NOT-Schooling?

8 Tipps fürs Homeschooling und Co-Learning zwischen Kindern und Eltern im Lockdown

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Bea Beste ist Gründerin von neun bilingualen Schulen in Deutschland (vom Kindergarten bis Abitur) und Autorin eines kleinen Bestsellers, der gut in diese schwierige Corona-Zeit passt: „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“* , erschienen im Dudenverlag. Dieses Buch handelt von Co-Learning und hat sich zu einem feinen Verkaufsschlager im April und Mai entwickelt, während der ersten Welle – jetzt ist das Buch bereits in der 4. Auflage!  Wir von „Einer schreit immer“ haben Bea Beste und Co-Autorin Steph Jansen gebeten, mit Ansätzen aus dem Buch und mit ihrem Wissen einige Tipps fürs Homeschooling zu geben. Hier sind sie.

Die beiden schreiben: Wir würden uns freuen, wenn ihr unsere Tipps als Anregungen und Ideensammlung versteht – nicht als absolute Ratschläge… Denn: Nicht alles passt zu allen Familien, aber vielleicht passt einiges zu eurer Familie?

1. Redet lieber von Not-Homeschooling oder Fern-Unterricht

Mit Corona und den dazugehörigen Lockdowns hat sich der Begriff „Homeschooling“eingebürgert, wahrscheinlich als Pendant zum „Homeoffice“. Aber Homeschooling ist etwas anderes. Was die meisten Eltern gerade machen, ist NOT-Homeschooling! Und das können wir sowohl Englisch als auch Deutsch denken: NOT auf Englisch: Kein echtes Homeschooling. In den Ländern, in denen das zulässig ist, ist Homeschooling eine freiwillige Entscheidung der Familien. Sie wollten das. Sie haben es sich reiflich überlegt, tauschen sich mit anderen aus, nehmen an speziellen Bildungskongressen teil, erarbeiten sich Ressourcen und Kompetenzen. Sie organisieren sich untereinander und entlasten sich gegenseitig. Das ist keine Welle, die über sie herein brach. Was ihr gerade macht, ist anders: NOT auf Deutsch. Es ist eine Notsituation. Es müssen alle – Eltern, LehrerInnen, Arbeitgeberfront – mitziehen, ob sie es wollen oder nicht. Es ist ein adhoc Fern-Unterricht, zu dem die wenigsten ausgebildet sind. Das zerrt alles an Kräften und Nerven. Also, mit der Sprache kommt Bewusstsein: Wir befinden uns alle in einer Ausnahmesituation, der wir zu entsprechen versuchen. Und wir dürfen auch mal überfordert sein und nicht alles schaffen.

2. Was nicht geht, geht eben nicht!

Perfektionismus und 100% Denke ist im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen sowieso ein verlorener Posten… in diesem Fall umso mehr. Löst euch vom Vollständigkeitsanspruch und wechselt zu einer Eichhörnchen-Denke, das sich bekanntlich mühsam ernährt: Jede Nuss zählt! Feiert jeden kleinen Erfolg und jede geschaffte Hausaufgabe, Online-Stunde, jeden gelernten Bissen. Und habt Vertrauen… Dazu ein Auszug aus dem Buch:

Das Buch findest du auf Amazon und im ausgewählten Buchhandel.

3. Ihr seid keine Hilfslehrer, ihr seid Co-Learner

Jetzt reden wir über die Kernthese unseres Buches. Als wir das geschrieben haben, hatten wir keine Ahnung, dass das Co im Co-Learning auch für Co-rona stehen könnte. Die zentrale These des Buches ist: Wir können unseren Kindern nichts mehr beibringen UND kommen dennoch zusammen weiter als je zuvor. Corona verstärkt dies total! An dieser Stelle einfach nur die Empfehlung, gar nicht zu versuchen, die Lehrkräfte eurer Kinder zu ersetzen (neben eurem eigentlichen Job!). Sondern dann, wenn euer Kind euch als Begleitung braucht, euch auf einen gemeinsamen Lernpfad zu begeben. Dazu braucht es einer innerlichen „Re-Programmierung“ – davon handelt unser Buch.

4. Findet euren individuellen Zeit-Rhythmus

Das Gefühl für Zeit kann im Lockdown und Co ganz schon durcheinander gehen! Sich zeitlich zu organisieren gehört zu der ganz großen Kunst aller Menschen, die aus einem privaten Umfeld heraus arbeiten. „Macht euch ein Stundenplan!“ steht fast überall. Ich möchte erst etwas anderes anregen: Etwas Zeit-Reflexion mit euren Kindern zusammen. Wann seid ihr richtig frisch und produktiv? Wann nicht? Wer ist eine Lerche, wer ein Morgenmuffel? Das Lernen von zu Hause kann auch eine große Chance sein, seinen eigenen Rhythmus zu findenund genau die Stunden am Tag herauszufinden, in denen gutes Lernen und Arbeiten möglichist. Meiner Co-Autorin Steph ist als Lehrerin noch was ganz besonders wichtig: Begrenzt auch die Lernzeit für eure Kinder angemessen. Ewigkeiten an Hausaufgaben zu sitzen ist nicht zielführend. Also, lieber ein Zeitlimit setzen – und was nicht fertig wird… siehe Punkt 2.

5. Findet eure Plätzchen – und euren Stil

Auch diesbezüglich möchte ich euch Mut zusprechen, das herauszufinden, was für euch – und euer Kind – individuell passt. Also: Ist ein Tag im Pyjama nicht genial? Müssen alle am Schreibtisch sitzen? Geht es auch nicht auf dem Boden oder auf dem Sofa? Es ist erwiesen, dass Kinder bis zum ca. 10 Lebensjahr besser auf dem Boden lernen, weil es ihrem gelenkigen Körperbau besser entspricht. Und selbst über diese Altersgrenze hinaus gelingt den meisten von ihnen Malen, Zeichnen und sogar Schreiben überall anders besser als am Schreibtisch… (Hier kannst du mehr dazu lesen.)

6. Bildet Netzwerke – schließt euch zusammen

Ihr musst nicht alles in der Kleinstzelle Familie bewältigen. Organisiert euch mit anderen Eltern, mit denen die Kommunikation einfach ist! Spannt die älteren Geschwister ein. Und war das nicht noch die Patentante, die ein Mathe-Fan war? Oder der Onkel, der geschichtliche Zusammenhänge so gut erklären konnte wir kein anderer? Eben: Kann sich das Kind nicht allein an sie wenden und fragen, ob sie sich für ein Stück Co-Learning begeistern können? Übrigens, an dieser Stelle auch ein Appell an die Lehrkräfte: Vernetzung untereinander ist auch enorm wichtig! Versucht euch abzustimmen, wer wie viel einer Klasse aufbrummt… Und wenn digitale Abstimmungen nicht funktionieren: Einfach mal kurz anrufen kann Wunder wirken.

7. Lasst euch kreativ aus

„Seht das Positive!“, „Übt Dankbarkeit aus!“, blaaaa! Nein! Ihr habt ein Recht darauf, das Ganze auch extrem doof zu finden… und das auch auszudrücken. Damit es allerdings nicht belastend und düster wird, geht kreativ ran. Ihr kennt das vielleicht von den Olchis, eine Runde Rotz-Kotz-Schimpf mit lustigen Ideen hebt die Laune. „Zum rosaroten Schweineschnitzelmond!“ oder „Affenpopo mit Mistmelone!“ kann mal ganz witzig sein. Und ich bin sicher, ihr Österreicher habt noch schärfere Worte auf Lager, Oida!

8. Spielt so viel es geht

Um spielerisch in Verbindung zu bleiben, ist Spielen ideal. Vielleicht könnt ihr spielerisch an den Haushalt gehen? Socken-Memory beim Wäschesortieren? Gemeinsam kochen nach Ampelsystem Rot-Gelb-Grün-in-jeder-Speise? Unverschämte Werbung an dieser Stelle: Kauft mein Buch, die Hälfte besteht aus spannenden Spiel-Ideen mit Lerneffekt und Co-Learning Ansatz! Viel Spaß!

Liebe Grüße von Steph und Béa: Video zum Buch


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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...

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