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Impfen: Ja oder nein? JA, VERDAMMT NOCH MAL!

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Die Welt der Erziehungsstile und Ansichten in Sachen Kinderpflege ist so vielfältig wie die Familien, in denen Kinder aufwachsen. Stillen oder Flasche, Tragen oder Schieben, verschiedenste Ansichten zum Thema Kindersitz und Co. Normalerweise halte ich mich in solchen Diskussionen an meinen Grundsatz „Not my monkeys, not my circus“. Tragt oder schiebt eure Kinder wohin ihr wollt, gebt ihnen Muttermilch, Pre-Milch oder von mir aus auch ein Schnitzel mit Pommes – die Vielfalt ist es, die uns Mütter ausmacht und solange alles zum Wohle der eigenen Nachkömmlinge geschieht ist es mir herzlich egal, was andere machen. Beim Thema IMPFEN allerdings platzt mir regelmäßig der Kragen. Ich halte mich gerne raus, wenn es mich nichts angeht, aber Impfen geht UNS ALLE etwas an!

Liebe Impfgegner, Impfkritiker und Impfverweigerer,

ich kann euch wirklich gut verstehen. Im Internet kursieren tausende Bilder und Texte, die alle belegen sollen, wie falsch wir in den 40 Jahren Impfgeschichte doch mit unserer Einstellung gelegen haben. Es ist zu lesen, was wir unseren Kindern mit der vermeintlich kleinen Spritze antun. Die Diskussion wird uns von pseudomedizinischen Akteuren aufgezwungen, die Wissenschaftsfeindlichkeit und Zynismus zum Prinzip erhoben haben. In den letzten Wochen habe ich Berichte gelesen, dass Impfen Autismus auslöst, Allergien fördert, die Hauptursache für Krebs, den plötzlichen Kindstod und im Grunde allen Unheils der zivilisierten Welt darstellt.

Liebe Imfgegner, Impfkritiker und Impfverweigerer! Ich verstehe: Da kriegt man schon vom Lesen Gänsehaut und fragt sich: Kann da nicht doch etwas Wahres dran sein? Es wird beschrieben, dass die Wirkung von Impfungen niemals wissenschaftlich belegt wurde (da so etwas wie „Viren“ auch gar nicht existieren). Das Wort „Impfschaden“ wird überhaupt so inflationär wie kein anderes verwendet und suggeriert das, was wir alle natürlich am wenigstens wollen – unserem Kind schaden!

Ihr lieben Nicht-Impfer, uns verbindet eine ganz essentielle Sache: die Sorge um das Wohl unseres Kindes. Ihr macht euch Gedanken, wälzt das Internet und tauscht euch mit Gleichgesinnten aus, auf der Suche nach dem Nonplusultra für die Gesundheit unserer Sprösslinge. Das ist nicht verwerflich, da stimme euch voll und ganz zu! Ich möchte das auch! Ich möchte Sicherheit, Schutz und nur das Beste für meine Kinder. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, dass eins meiner Kinder  bleibende Schäden davontragen könnte. Ein noch viel kälterer Schauer läuft mir allerdings über den Rücken, wenn ich mir die absurde Dynamik anschaue, die das Thema „Impfen“ in den letzten Monaten angenommen hat. Das Thema „Impfen“ ist nicht mehr wissenschaftlich, es ist emotional!

Nichts ist nur schwarz und weiß

Viele Impfkritiker haben eine einigermaßen realistische Sicht auf die aktuelle Lage. Angezweifelt werden hier die Inhaltsstoffe, die sich in den einzelnen Impfdosen verstecken. Kritisiert wird eine zu frühe Impfung von Säuglingen und die Gefährdung des Immunsystems durch einfache Überforderung mit Mehrfachimpfstoffen. Das alles klingt logisch und kann in einem sachlichen Gespräch mit Kinderärzten und Impfexperten diskutiert werden. Doch was würde man bei so einem Gespräch mit einem Arzt feststellen? Dass die Impfung keine Zwangsdienstleistung der Pharmaverbände darstellt, sondern so flexibel und individuell gestaltet werden kann, wie die Kinder nun mal so sind. Impfungen können der Entwicklung entsprechend verschoben werden, es gibt alternative Impfstoffe, für diejenigen, die sich von bestimmten Zusatzstoffen bedroht fühlen. Die Pharmakonzerne haben schnell reagiert und bieten quecksilberfreie Impfstoffe an, obwohl der Gehalt in den regulären Impfstoffen weit unter dem gesundheitsschädlichen Maß lag.

Impfen für Anfänger

Das Prinzip der Impfung ist ziemlich einfach. Ein Kind bekommt eine Spritze mit toten oder stark abgeschwächten Krankheitserregern, das Immunsystem kann sich über diese hermachen, sie bekämpfen und sich für die Zukunft merken, wie man diese Eindringlinge unschädlich macht. Bei einer erneuten Konfrontation mit diesen fiesen Angreifern hat der Körper schon die passende Waffe parat und kann sich total supi wehren. Wenn 95% aller Kinder geimpft werden greift die „Herdenimmunität“, durch die auch ungeimpfte Kinder geschützt sind und Epidemien vermieden werden können. Klingt simpel oder? Was stört also die Impfgegner an dieser tollen Erfindung?

Schwurbelei im Internet

Während die Impfkritiker sich dem Thema mit Bedacht und Grips nähern, gibt es noch euch militante Nicht-Impfer, die anscheinend gerade wie (globuli-gedüngte) Pilze aus dem Boden schießen. Ich lese Behauptungen, für die ich jeden Verschwörungskrimi in die Ecke geworfen hätte, doch leider meinen diese Leute das wirklich ernst. Kann es tatsächlich sein, dass Viren gar nicht existieren, sondern nur ein Produkt der Pharmaindustrie sind, die einfach für die Erfindung des Impfens scheißreich werden wollten? Ist es logisch, dass in jeder 10. Spritze BSE und AIDS enthalten sind, um die Weltbevölkerung klein zu halten? Und kann es wirklich euer fester Glaube sein, dass Kinder lebensbedrohliche Krankheiten durchmachen müssen und das Risiko an einer solchen zu sterben geringer ist, als eine Immunisierung? Es tut mir leid – das ist nicht logisch.

Impfungen retten Millionen von Leben

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht leugnen, dass es Impfschäden gibt. Neben den ganz normalen Impfreaktionen, wie Fieber, Hautrötungen und Müdigkeit gibt es bleibende Schäden, die ein Kind über die übliche Reaktion hinaus dauerhaft schädigen können. Schaut man dort allerdings genauer hin, wird man feststellen, dass von 212.000.000 geimpften Kindern in den letzten 15 Jahren 169 eine bleibende Schädigung erlitten haben. Jeder einzelne dieser 169 Fälle ist tragisch, aber das Positive überwiegt. Wer mir jetzt schreiben möchte, dass diese Statistiken (nachzulesen über die Seiten des Robert-Koch-Institutes) gefälscht sind und von skrupellosen Pharmakonzernen in Auftrag gegeben wurden, bitte spart euch die Buchstaben.

Liebe Impfgegner: Warum reg ich mich so auf?

Eigentlich geht es mich nichts an, was  andere Eltern mit ihren Kindern anstellen. Richtig! Es wäre mir völlig egal, würde es tatsächlich nur fremde Kinder betreffen. Tragisch, unethisch, aber „not my monkeys“. Es betrifft aber nicht nur die Impfgegner, sondern uns alle. Wir sind Teil einer Gesellschaft, einer „Herde“, bei der es beim Herdenschutz im Impfprinzip nunmal geht. Wir begwegen uns alle in Supermärkten, in Kitas und auf Spielplätzen. Impfgegner sitzen mit ihren Kindern beim Arzt, so wie auch ich. Impfgegner fahren Bus und Bahn und bringen ihre Kinder zu Spielgruppen und in den Musikunterricht. Und dort seid ihr, liebe Impfgegner, verdammt noch mal nicht nur ihr! Euer ungeimpftes Kind ist ein Risiko für den gerade geborenen Säugling eurer Nachbarin, es bedroht die Gesundheit eures Sitznachbarn im Bus, der gerade eine schwere Krankheit durchgemacht hat und ein schwaches Immunsystem hat. Euer innovativer Lebensweg ohne schädliche Impfungen, ohne giftige Zusätze und die endlose Profitgier der Pharmaindustrie könnte das Leben der netten alten (unsichtbar immungeschwächten) Dame im Supermarkt beenden – dabei wollte sie eurem (unsichtbar mit Masern infizierten) Kind nur freundlich „Hallo“ sagen. Euer ungeimpftes Kind wäre eine potentiell tödliche Bedrohung für meine zu früh geborenen Zwillinge gewesen und ich kann nur von Glück sprechen, dass wir keinem von euch begegnet sind. Eure Einstellung ist gefährlich für das krebskranke Kind meiner Freundin, das im Moment so viel größere Sorgen hat als euch. Darum reg ich mich auf!

Liebe Impfgegner, Impfkritiker und Impfverweigerer,

wie gesagt, ich verstehe euch. Ihr habt Angst um eure Kinder. Angst habe ich auch, aber davor, das unbeteiligten Kindern aufgrund von eurem Leichtsinn, eurer Arroganz oder was auch immer ihr als guten Grund für euer Gewissen bereit gelegt habt, etwas zustoßen könnte.

Nach der aktuellen Masernepidemie in Österreich scheinen sich einige Eltern besonnen zu haben, denn die Rate der Impftermine stieg plötzlich drastisch an. Tragisch, dass es erst dazu kommen musste, dass die Bedrohung so nah sein musste, um einige zu überzeugen, doch jedes geimpfte Kind zählt. Zum Schutz seines eigenen Lebens und derer, die auf uns angewiesen sind.

Denkt nach, informiert euch an seriösen Stellen und tut das, was wir doch eigentlich alle wollen – das Beste für euer Kind!

Quellen:

 

INTRO NEFFA
Hier schreibt Gastautorin Neffa. Mehr von Neffa? Dann klicke auf das Bild!

9 comments

  1. Oh ja! Oh ja!!!! Ich stimme aus vollem Herzen zu! Der Kinderdok hat auf seinem Blog dazu auch immer mal sehr schöne Beiträge! Impfungen sind ein Segen und da ich selbst – wieso auch immer – trotz mehrfachem Versuch, mich vollständig zu immunisieren, keinen kompletten Impfschutz ausgebildet habe, also wirklich auf den Herdenschutz angewiesen bin, kann ich den Beitrag nur unterstreichen. Meine beiden Zwillinge brauchen keine an Masern erkrankte Mama!

    Ich schreib übrigens auch über das Leben mit Zwillingen …beziehungsweise über das Chaos mit 4 (+1) Jungs im haushalt. :D abenteuerypsilon.blogspot.com Allerdings lange nicht so professionell wie du. Ich mag deinen Blog.

  2. … eben noch nach Kondensatormikrophonen gesucht, jetzt durch die Dynamik des Internets überraschend hier auf dieser Seite gelandet. Und auch wenn ich sehr wahrscheinlich nicht in die Zielgruppe dieses Blogs falle, muss ich sagen: Er ist hervorragend!

    Vor allem dieser Artikel über das Impfen bzw. die Leutchen, die gegen das Impfen sind, spricht mir aus der Seele. Er ist sachlich, verständnisvoll und hebt sich von der emotional gefärbten Marktschreierei, die bei diesem Thema mittlerweile überhand genommen hat, wohltuend ab. Natürlich kann man den Impfgegnern tonnenweise Fakten um die Ohren werfen, wird damit aber genau so viel Erfolg haben wie bei Flacherdlern oder Homöopathie-Fans! Macht ja nix, was gesagt werden muss, das muss gesagt werden.

    Ich finde den Schreibstil, der sich durch den gesamten Blog zieht, echt witzig und angenehm zu lesen. Da möchte man direkt Zwillingsvater werden, nur um zur Zielgruppe zu gehören (Lieber Himmel, NEIN!).

    Alles in allem: Toll! Ich komme ab jetzt öfter mal vorbei.

    Viele Grüße,

    Thilo

  3. Ich danke dir sehr für deinen Bericht! Das ist ein Thema, dass mich immer wieder aufregt. Gerade im Moment sehr. Ich musste mit meiner 7 Monate alten (und deshalb noch nicht gegen Masern geimpften) Tochter einige Tage ins Krankenhaus und auf der gleichen Station 2 Masernfälle… Diese waren zwar isoliert, aber das ungute Gefühl schwingt einfach mit und wird auch noch ein paar Wochen anhalten…
    Es betrifft einfach so viele, wenn ein paar Leute (in meinen Augen) falsch entscheiden….

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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