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Sicher in die Schule: Tipps von der Verkehrspädagogin

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Für viele Schulanfänger beginnt bald wieder der Unterricht. Viele Kinder bestreiten auch erstmals alleine den Weg zur Schule. Wir haben Verkehrsexpertin Margit Braun vom Grazer Institut für Verkehrspädagogik (IVP) zum Interview gebeten. Und wir klären mit der Expertin, wie wir Kinder am besten darauf vorbereiten können, dass sie sicher in die Schule und wieder nach Hause kommen.

Ab welchem Alter und ab welcher Distanz können Kindern den Schulweg selbst bewältigen?

Margit Braun: Kinder sind in Bezug auf ihre Wahrnehmung, ihr Denken, Handeln und Lernen erst ab acht Jahren in der Lage, die wichtigsten Dinge im Verkehr zu beachten. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn Wege wie beispielsweise der Schulweg selbstständig von Kindern zu Fuß zurückgelegt werden sollen.

Kinder unter acht Jahren haben eine andere Sichtweise (nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße), sie erleben die Welt aus einem selbstzentrierten Blickwinkel und es ist beispielsweise schwierig für sie zu bestimmen, aus welcher Richtungen Geräusche kommen oder wie weit etwas von ihnen entfernt ist. Erst ab acht Jahren gelingt es Kindern, Gefahren vorauszusehen, und sie lernen, welche Verhaltensweisen gefährlich sind. Und ab neun Jahren können sie vorbeugende Maßnahmen treffen, um das Unfallrisiko zu reduzieren.

Gemeinsam den Schulweg üben

Unabhängig von den altersbedingten Fähigkeiten des Kindes kann eine selbstständige Bewältigung des Schulwegs allerdings nur dann gut und sicher gelingen, wenn die Eltern (Großeltern oder andere Bezugspersonen) gemeinsam mit ihrem Kind / ihren Kindern den sichersten Weg zur Schule mehrmals geübt haben. Einfache, immer gleichbleibende Routen und kurze Distanzen (1–2 km) können dann Erstklässler bereits nach ein paar Wochen alleine zurücklegen.

Wie kann ich als Elternteil mein Kind auf die alleinige Bewältigung des Schulweges vorbereiten? 

Margit Braun: Wählen Sie vorab die sicherste Route in Hinblick auf einfache Wegführung, geregelte Übergänge etc. zur Schule aus – der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste! Vermeiden Sie verkehrsreiche (ungeregelte) Kreuzungen, unübersichtliche Straßen und andere Gefahrenpunkte (z. B. parkende Autos, Mülltonnen usw., die die Sicht der Kinder beim Überqueren einer Straße einschränken).

Was muss ich beim Schulwegtraining alles beachten?

Margit Braun: Üben Sie mit ihren Kindern bereits in den Sommermonaten vor Schulbeginn mehrmals den ausgewählten Schulweg – nehmen Sie dabei immer den selben Weg, überqueren Sie immer an der gleichen Stelle die Straße und machen Sie ihre Kinder während des Gehens immer wieder vertraut mit den einfachsten Verkehrsregeln (Links-Rechts-Links-Blick, immer Stehenbleiben bei roter Ampel, Autos beobachten vor dem Überqueren …). Erklären Sie Ihren Kindern auch, warum sie z.B. an dieser Stelle besonders auf parkende Autos achten müssen oder warum es besser ist, den mit Ampel regelten Übergang über die Straße zu nehmen (auch wenn er weiter entfernt ist als der ungeregelte mit Zebrastreifen), damit sie ein Gefühl für mögliche Gefahren erhalten und die Sinnhaftigkeit des eingeübten Verhaltens verstehen.

 Schulweg = Erlebnisweg

Da der Schulweg aber auch Erlebnisweg sein kann/soll, macht es Sinn, den Weg zur Schule nach einem weiteren Kriterium auszuwählen: Sind entlang des Schulweges Plätze und Bereiche vorhanden, die dem bei Kindern vorhandenen natürlichen Spiel- und Bewegungstrieb zum Laufen, Hüpfen, Toben, Klettern, Balancieren usw. genügend Raum und Gelegenheit zum Ausleben geben? Erfahrungen aus erster Hand sind wesentlich, damit Ihre Kinder aktiv ihre Umwelt und ihren Körper wahrnehmen und sich körperlich und geistig gesund entwickeln können.

Der Schulweg sollte auch immer ein kleiner Erlebnisweg sein.

Welche Tipps gibt es fürs Schulwegtraining?

Margit Braun: Lassen Sie Ihre Kinder am besten noch vor Schulstart den eingeübten Schulweg zuerst in die eine, dann in beide Richtungen alleine üben – Sie können ihnen unbemerkt folgen, um festzustellen, ob die Routenführung und das richtige Verhalten verinnerlicht wurden.

Begleiten Sie Ihre Kinder in den ersten Wochen zur Schule – lassen Sie sich dabei von Ihren Sprösslingen führen (und nicht umgekehrt; ihre Kinder werden ansonsten unaufmerksam, da sie sich auf Sie verlassen). Ideal wäre, unkomplizierte Gehgemeinschaften mit ein bis zwei anderen Kindern zu bilden, damit wird der Eltern-Begleitdienst bald überflüssig und vor allem bieten sich so Möglichkeiten zu Peer-to-Peer Kontakten.

Achten Sie darauf, dass in der Früh keine Hektik aufkommt; Ihre Kinder sollen genügend Zeit für das Zurücklegen des Schulweges haben. Das gilt auch für den Nachhauseweg: Geben Sie Ihren Kindern die Chance, unbegleitet, unbeobachtet und selbstständig unterwegs zu sein und aktive Mobilität auch als körperliches Erlebnis erfahren zu können.

Die Partizipation am realen Verkehrsgeschehen ist wesentlich, um Ihre Kinder zu kompetenten und vor allem sicheren Verkehrsteilnehmern zu machen. Kinder lernen schnell, auf sich selbst aufzupassen. Basierend auf den eigenen Erfahrungen können Kinder auch besser neue Risikosituationen beurteilen, reagieren schneller und geschickter und sind somit weniger gefährdet als Kinder, denen die Bewegungsroutine fehlt.

 

Gibt es nützliche Hilfsmittel die mein Kind beim Schulweg dabei haben sollte?

Margit Braun: Sichtbarmachen heißt das Stichwort: Egal, ob helle oder reflektierende Kleidung, Reflektorenwesten* oder Schultaschen mit Reflektoren*, wichtig ist, dass Ihre Kinder von anderen Verkehrsteilnehmenden früher gesehen/bemerkt werden.

 

Weiterführende Links:

https://www.acv.de/tipps-infos/verkehr-sicherheit/sicheres-verhalten/sicherer-schulweg/

http://netzwerk-verkehrserziehung.at/index.php?id=21

https://www.welovefamily.at/schulweg-kinder-schaffen-den-schulweg-alleine/

 

Vielen Dank liebe Frau Braun für die tollen Tipps zum Schulweg!

Mag. Margit Braun

Mag. Margit Braun ist ausgebildete Pädagogin und Gründungsmitglied des IVP. Ihre Aufgaben umfassen neben der Entwicklung und Umsetzung von kinder- und jugendspezifischen Mobilitätskonzepten und -projekten auch die Durchführung von Train-the-Trainer Workshops mit Pädagogen zum Thema Mobilitätsmanagement für Schulen und Kindergärten.

 

Info zum Institut für Verkehrspädagogik IVP / zur Person:

Das Institut für Verkehrspädagogik (IVP) wurde 1996 als gemeinnütziger Verein gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, positive Emotionen für das Zufußgehen, Radfahren und Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel in der Bevölkerung zu verankern, um langfristig ein sanft mobiles Mobilitätsverhalten zu erzeugen bzw. zu festigen. Dabei geht es darum, Kinder zur kompetenten Verkehrsteilnahme zu befähigen und vor allem dahingehend zu wirken, dass der Verkehr an die Bedürfnisse der Kinder angepasst wird und nicht die Kinder an den Verkehr.

Das IVP entwickelt maßgeschneiderte Mobilitätskonzepte und Mobilitätsprojekte für Kinder und Jugendliche, setzt verkehrspädagogische Mobilitätsmanagement-Projekte für Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen um und führt Weiterbildungsseminare für PädagogInnen durch.

 

* Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Inhalte dieses Blogs sind kostenlos. Sie sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Manchmal bauen wir Amazon-Affiliate-Links in unsere Artikel ein. Wenn du über diese Links ein Produkt erwirbst, zahlt du nicht mehr, aber „Einer schreit immer“ erhält eine kleine Kommission von Amazon. Du hilfst uns dabei, die Produktion von Inhalten, die Grafik sowie das Webhosting des Blogs zu finanzieren. Danke! Natürlich bekommst du die Produkte auch beim lokalen Händler deines Vertrauens.

 

 

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