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Die Vereinbarkeitslüge – eine Polemik #Vereinbarkeit

„In eine Halbe geht keine Maß“, hat mein Großonkel immer gesagt und damit zu später Stunde nicht nur über Bier philosophiert. Recht hat er gehabt: Karriere, Kinder, Haus und Partnerschaft sind nicht vereinbar, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt. Eine Polemik.

Die Welt ist lustig und voll schöner Bilder: In der Werbung sehen wir Kinder auf weißen Sofas Schokolade knabbern und glücklich dabei glucksen. Wir sehen lächelnde Babys, saubere Küchen und zufriedenen Nachwuchs, der freiwillig Gemüse isst und dabei nicht angewiedert die Erbsen auf den Boden spuckt.

 

 

Und dann kommen auch noch die medial gehypten und supertollen Wunder-Eltern dazu, die neben englischer Spielgruppe und selbstgekochten Biobreien von linksdrehenden Bio-Bauern auch noch erfolgreich – so nebenbei – ganze Unternehmen leiten. So rühmt sich etwa Yahoo-Chefin Marissa Mayer damit, dass sie nach der Geburt ihrer Zwillinge neben ihrem Büro ein Babyzimmer (natürlich inklusive Nanny) einrichten wird, damit sie gleich wieder arbeiten gehen kann. Was ist eigentlich mit ihrem Partner? Vermutlich kann man sich keine schönere Kindheit vorstellen, als in einem amerikanischen Bürokomplex. Ich muss dann immer an einen Satz denken den ich kürzlich las: „Dein Alltag ist ihre Kindheit.“

Ich bin platt und ehrfürchtig wenn ich von solchen Menschen höre. Bin ich einfach zu faul oder altmodisch dafür? Zu wenig talentiert oder gar überfordert? Oder sehe ich die Chancen unserer Zeit nicht? Alles eine Frage der Organisation? Heute können alle die große Karriere machen – uns steht die Welt offen, alles kann man erreichen. Ich weiß nur, dass ich mittlerweile sehr misstrauisch geworden bin. In dieser ganzen Kinder-Sache wird oft und viel gelogen. Oder zumindest geschönt.

Klappt das jetzt wirklich alles so perfekt, oder ist es doch nur reiner Selbstbetrug?

Ich bin derzeit schwer damit beschäftigt zu überleben: Ich habe die Zwillinge, einen wundervollen 25-Stunden-Job, blogge nebenbei in meiner Freizeit und war seit drei Jahren nicht mehr im Kino. Oder schick essen. Den Termin bei meiner Pediküre habe ich jetzt – Gott sei Dank ist die Flip-Flop-Saison vorbei – mittlerweile zum dritten mal verschoben. Und so richtig sauber ist es bei uns eigentlich nie. Dabei hatten wir in der frühen Vorsteinzeit mal eine richtig schicke Bude.

Meine Kinder haben bis heute kein einziges Mal auswärts geschlafen, weil wir keine Großeltern haben. Und als ich einmal eine Nacht mit meinem Mann alleine in ein Wellnesshotel gefahren bin, hat mich das mehr als 500 Euro gekostet, weil ich eine Babysittern zahlen musste, die auch über Nacht blieb. Prinzipiell zahle ich für jeden Handgriff, den man mir oder meinen Kindern abnimmt. Ich gehe arbeiten weil es mir Spaß macht und weil ich irgendwann eine Pension haben will, sollte es so etwas im Jahr 2043 überhaupt noch geben. Es kann natürlich sein, dass die Politik bis dahin das ganze Geld in Bankenrettungen gesteckt hat – das wäre dann natürlich blöd für mich und irgendein Manager hätte sehr viel Spaß in der Karibik mit meiner Kohle…

Nachdem ich die Tagesmutter beglichen habe, bleibt in Wirklichkeit nicht mehr viel übrig. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Menschen früher generell mehr verdient haben. Das war in den 70er und 80er-Jahren, als die Wirtschaft boomte… Obwohl mein Mann und ich beide Akademiker sind und keine schicken Partys mehr feiern, müssen wir haushalten. Damit wir unseren Lebensstandard halten können, brauchen wir beide Gehälter. Also in unserem Fall die 1,5 Gehälter.

Das alles hier soll nicht verbittert klingen – wir haben uns bewusst für Kinder entschieden. Ich mag es, wenn ich die kleinen Käsefüße durch das Haus trappeln höre. Wenn ich sehe, wie Micky mir immer ähnlicher sieht und sogar an den gleichen Körperstellen Muttermale bekommt. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, tauche ich in eine andere Welt ein, die mich auf den Boden holt und glücklich macht. Dann baue ich Lego-Türme und backe Lebkuchenhäuser. Und obwohl es oft anstrengend ist, sind die Kinder vermutlich das Sinnvollste was ich je in meinem Leben gemacht habe. Kein Mensch wird sich einmal daran erinnern, welche Artikel oder Glossen ich geschrieben habe, aber ans Kekse-Backen in der kalten Jahreszeit wird man zurück denken, auch wenn ich einmal nicht mehr bin. Und das Muttermal wird mich überleben – vielleicht sogar noch in der nächsten Generation….

Die 24 Stunden Erreichbarkeit

Wir leben in einer eigenartigen Zeit: Arbeitswissenschaftler sprechen davon, dass sich das Pensum an Arbeit in den letzten Jahren verdoppelt hat. Die Welt ist schneller geworden. Wir schreiben E-Mails und schicken sie innerhalb von Sekunden um die ganze Welt. Stellen Rechnungen in Sekundenschnelle aus und im virtuellen Postkasten sind täglich 200 Mails. Weil das Verschicken ja so schnell und einfach geht, setzt man gleich mal ein paar Leute mehr in den Verteiler, egal ob es wichtig ist oder nicht. Wenn ich alle Mails in meinem Briefkasten lesen und korrekt beantworten würde, wäre mein Arbeitstag völlig ausgefüllt.

Die Firmen wissen das und geben daher großzügig Blackberrys und Smartphones aus und freuen sich, wenn die Mitarbeiter auch noch zu Hause ihre Arbeit erledigen. Man hört von der Generation Y, die fordernd den Job-Markt verändert, doch in Wirklichkeit ist die Arbeitslosenrate hoch wie nie. Die Firmen fordern unbezahlte Überstunden von ihren Mitarbeitern und bekommen sie auch meist. Am Konto sieht man nichts davon.

Jüngst sprach ich mit einer lieben Freundin die auch seit kurzem wieder mit dem Arbeiten angefangen hatte (mittleres Management) und sie sagte sehr treffend: „Ich habe einstweilen ein Firmenhandy erfolgreich abwehren können. Die ständige Erreichbarkeit 24/7 gehört jetzt exklusiv meiner Tochter.“ Schön dachte ich. Recht hat sie, dachte ich! Fakt ist, dass meine liebe Freundin damit natürlich in nächster Zeit keine großen Karrieresprünge machen wird.

Hinzu kommen ja auch noch zahlreiche Abendtermine. Denn wer etwas erreichen will, muss Gesichtsbäder machen und netzwerken was das Zeug hält. Prinzipiell mochte ich so etwas noch nie, aber egal ob ich wollte oder nicht – ich kann es jetzt sowieso nicht mehr machen. Denn Abends bin ich einfach hundsmüde und liege teils schon um 9 im Bett. Meinem Mann geht es ähnlich, weil er als einer dieser Halbe-Halbe-Männer viel Verantwortung und Zeit für die Kinder aufbringt. Es ist also sicherlich kein Frauen-Thema, es geht nicht darum, dass Frauen an den Herd sollen – im Gegenteil!

Es ist ein Familien-Thema, es geht um Lösungen! Wir sitzen alle alle im gleichen Boot…

Nun stellt sich mir die Frage: Wie machen die Anderen das? Wenn Kinder und Karriere nicht auf der Strecke bleiben, sind es dann vielleicht sie selber? Oder geht die Maß dann doch irgendwie in die Halbe rein und nur ich weiß nicht wie? 

 

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27 comments

  1. Vielen Dank für den Artikel! Ich dachte schon, es geht nur mir so….ich bekomme schon Schweissausbrüche und hektische Flecken, wenn ich nur daran denke nächstes Jahr wieder arbeiten zu gehen…In der Presse liest man ja nur, wie toll die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere klappt…wobei ich sehr wenige bis gar kein Beispiel kenne, wo es das tatsächlich tut….
    Entspanntes Wochenende, caro

  2. Ich verstehe deinen Frust. Aber ich denke du vermischst da Ding.

    Das Haus ist mit Kindern immer unordentlich- ob du nun arbeitest oder nicht. Ich finde ja, wenn man arbeitet sogar weniger, weil wir weniger zu Hause sind.

    Im Kino warst du nicht, weil keine Betreuung vor Ort ist – nicht weil du arbeitest. Ich verstehe deinen Frust darüber- daher pack dir ne Freundin und los geht’s. Der Mann kann kostenfrei babysitten

    Du hast ein Hobby! Wie ich selbst weiß, ein sehr zeitintensives. Das Bloggen! Freu dich darüber und nimm es als deine Freiheit war. Sonst ist es mehr Last als Hobby…

    Niemand hat gesagt es ist einfach. Aber wir haben die Wahl! Das hatten unsere Eltern nicht! Wir sollten dieses Privileg mehr schätzen. Egal welche Wahl wir treffen!

    • einerschreitimmer

      Hi liebe Andrea! Danke für deine Gedanken! Mit dem Kino gebe ich dir vollkommen recht – aber von welcher Wahl sprichst du genau?

      • Unser Eltern hatten weder die passende Kinderbetreuung noch die Anzahl an Teilzeitmöglichkeiten, wie es sie heute gibt. Unsere Mütter mussten oftmals deshalb zu Hause bleiben. Hier hat sich wirklich viel getan finde ich!

  3. Am meisten nervt mich eigentlich dass dabei alles auf uns Frauen zurück fällt. Ich verdiene ich. B. mehr als mein Mann, aber wer von uns Teilzeit arbeiten WILL brauchen ein garnicht zu überlegen, denn Teilzeit Handwerker gibt es nicht. Das ist eigentlich in erster Linie eine strukturelle Diskriminierung von Männern,aber wessen Karriere leidet darunter? Meine, weil ich in einem typischen Frauenberuf arbeite, in dem Vollzeitkräfte zwar bevorzugt werden, Teilzeit arbeiten aber immerhin möglich ist.

  4. „Dein Alltag ist Ihre Kindheit…“ Das trifft es besser als alles was ich bisher gehört habe! Ich arbeite auch teilzeit (natürlich geht auch hier die Kohle direkt weiter an die Kinderkrippe) und verbringe den Rest der Zeit bewusst mit den Zwillingen. Bin ich relaxed und lasse mich auf sie ein, sind sie es auch – Eher zumindest 😉

    Ich versteh dich gut. Ich hab meinen alten Job geliebt. Nun mit teilzeit sind die Aufgaben natürlich simpler, nicht mehr zeitabhängig und ohne grosse Herausforderung. Aber das ist völlig OK so – Zuhause bin ich sehr gefordert und ich
    verbrauch meine Energie, meine Geduld und Gelassenheit lieber mit den Kindern als Abends abgehetzt Zuhause anzukommen und dann keine Nerven mehr zu haben zum 10. Mal zu sagen, dass man nicht auf den Tisch klettert, essen auf den Boden schmeißt oder den anderen Zwilling in die Hand beißt. „In ein halbes geht kein ganzes Mass“ – Wirklich passend 😀

    Ich denke, dass das aber auch nicht nur den Job betrifft sondern auch die Familienaktivitäten. Anfangs bin ich allem und allen hinterher gehetzt, hab versucht alles unter einen Hut zu kriegen und war dann schnell am Ende. Besser wurde es erst als ich mich für die Entschleunigung entschieden hab. Alles kann, nichts muss. Und so kann ich es nun viel mehr genießen, den Kleinen und Ihren Fortschritten zuzusehen 😀

    Ich bewundere all jene, die alles schaffen und dabei allen gerecht werden können. Ich krieg das selbst nicht gebacken und hab nun ein Rezept gefunden, dass für meine Familie funktioniert. So hat wohl jede Familie ihr eigenes – Ich finds aber auch immer spannend zu sehen wie andere das machen 🙂

  5. Danke für deinen schönen und wahren Beitrag. Ich werde gerade von meinem Umfeld für verrückt erklärt, weil ich ein sehr gutes Jobangebot – nach langer Elternzeit und mit vier Kindern – sausen lassen habe. Aber es hat von den Stunden und dem Arbeitsort einfach nicht gepasst. Also werde ich weiter das Passende suchen und auf materiellen Luxus weitgehendst verzichten.
    Der größte Luxus sind sowieso unsere Kinder. ☺

    Ich denke, es ist nicht möglich, alles perfekt unter einen Hut zu bekommen ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben (oder das Kind bei der Nanny aufwachsen zu lassen 😉 ). Man muss Prioritäten setzen und herausfinden, welcher Weg einen glücklich macht. Manchmal auch auf Umwegen.

    Liebe Grüße

  6. Danke für Deinen tollen Text.
    Ich glaube nicht, dass die Maß in die halbe passt. Irgend ein Tropf geht dann immer daneben. Ob es der ehemals tolle Job ist, wo man nach Rückkehr mit einfachsten Aufgaben und nervigen Kommentaren abgekanzelt wird, oder die Kinder, die dann zurückstecken müssen, weil man einfach kaum Zeit und Nerv für sie hat.
    Zeit für sich, reden wir nicht drüber…
    Ich habe mir sehr sehr lange Gedanken gemacht. Auch ich bin Akademikerin und hatte einen super Job mit leistungsorientierter Bezahlung, freier Zeiteinteilung und super Kollegen …
    Nun bin ich zu Hause, und habe 24 Stunden Dienst… Aber ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, meinen Job, der mir wirklich Spaß machte, ruhen zu lassen, bis die Zwillinge in den Kindergarten gehen.
    Ich glaube, man kann diesen kleinen Menschen nicht mehr für Ihr Leben mitgeben, als Ihnen Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld zu schenken und ihnen so ein Vertrauen in die Zukunft zu schenken.
    Und das tu ich gerne. Es ist die beste Aufgabe der Welt.
    Auch wenn man dafür keinen Respekt, wenig Lob, kein Gehalt und oft noch einen schiefen Blick bekommt, denn angeblich sind ja Kinder und Job so gut zu vereinen…

    • einerschreitimmer

      Ich weiß gar nicht, ob diese ganzen Vereinbarkeits-Geschichten selbstbetrug sind? Keine Ahnung… Aber es ist spannend zu lesen, dass ich nicht alleine bin… 😉 Lieb Grüße schicke ich dir! Und ruhige Nächte wünsche ich dir!

  7. Da hast du schon irgendwie recht! Irgendwas bleibt immer „auf der Strecke“, bzw. man muss sich halt entscheiden, worauf man den Fokus setzt. Ich habe im Sommer nach 1 Jahr Karenz wieder zu arbeiten begonnen, mein Mann war zuerst 2 Monate in Karenz (und ich Vollzeit arbeiten), nun machen wir beide Teilzeit – wir verdienen sehr ähnlich und beide wollten gerne daheim bleiben, das ist also nun unser Kompromiss…beide ca. 50%, so haben wir das Beste von Beidem, Arbeit und Kind. Ich bin eigentlich ganz zufrieden so, obwohl meine Firma gerade von einer internationalen Firma gekauft wurde und ich viele Möglichkeiten hätte, die ich mir früher erträumt habe…jetzt zählt für mich aber meine Familie mehr, für Karriere ist später immer noch Zeit (das ist auch das Schöne in der heutigen Zeit zu leben finde ich, da ist so viel möglich).
    Naja, aber kurz gesagt: schöner Artikel, du hast meiner Meinung nach recht! 😉 Alles Liebe, Ulli

    • einerschreitimmer

      Hi liebe Ulli – ihr habt eine tolle Aufteilung. Ich finde das super… Vor allem steuerlich ist es wohl interessanter, wenn beide Teilzeit gehen… Oder?

  8. Wenn du des Rätsels Lösung gefunden hast, teile es mir bitte mit.
    Bei mir und meinen Kindern bleibt momentan alles auf der Strecke. Nix geht mehr… das frisst uns alle auf. Aber ändern lässt sich im Moment leider auch nix dran.
    Die Umstände wären jetzt zu viel. dazu müsste ich zu weit ausholen….

    Aber wirklich vereinbaren …. ich denke das bleibt ein Wunschtraum

  9. Klar ist es nicht einfach – aber wir versuchen es dennoch. Jeden Tag wieder.

    Denn ich sehe es ähnlich wie Andrea: Im Vergleich zu der Generation vor uns, hat sich schon viel getan. Sicherlich noch nicht genug – aber es liegt an uns, dass sich die Welt für unsere Kinder noch ein wenig besser darstellt. Und dabei ist es ziemlich egal, um welchen Themenbereich es geht.

    Von daher halte ich es mit Beppo Straßenweger: „Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

    Und jetzt ist mein nächster Schritt: Mittagspause, Atemzug und Sonne genießen. Hab einen schönen Tag.

    • einerschreitimmer

      Hi liebe Jette!

      Ich sehe die Wahlfreiheit eigentlich nicht. Früher waren die Gehälter höher und die Lebenskosten niedriger. Heute kann eigentlich keine Familie ohne 2 Gehälter leben. Würde auch umgekehrt nicht funktionieren, wenn mein Mann bei den Kids bleiben würde… Aber egal – ich denke mal an den nächsten Schritt. Und der heißt: GUTE NACHT!

      GLG

  10. Danke für Deinen Artikel. Eine schöne Seite hast Du da, und so Recht. Es geht nicht alles. Es geht vieles, aber es wird immer irgendwas auf der Strecke bleiben und wir müssen unsere Prioritäten setzen. Ich mache zwar den gleichen Job wie früher, leider auch mit vielen Stunden, aber ich kann ihn nicht mehr so intensiv machen wie früher. Daher ist „Karriere“ und Dinge, die mir früher so viel Spaß gemacht haben, nicht mehr drin. Hobbys? Fehlanzeige! Zeit für mich? So gut wie nicht. Ein sauberes Haus? Das verliert immer mehr an Wichtigkeit. Zwar sollte man sich selbst nicht aus den Augen verlieren, weil zufriedene Mütter besser Mütter sind, wie ich an mir selber feststelle, aber natürlich sind die Kinder das Wichtigste überhaupt. Leider habe ich das nicht sofort gemerkt und würde heute oder bei einem 3. Kind (was es aber nicht geben kann) vieles anders machen, z. B. länger zu Hause bleiben. Nicht bei allen ist alles möglich, das mit den Finanzen kann ein echtes Problem sein, wenn einer nur zu Hause bleibt, und ja, man hat gewissen Ansprüche. 3 Mal im Jahr in den Urlaub fahren oder ähnlicher Luxus gehört hier allerdings NICHT dazu. Nur jeden cent 3 Mal umdrehen möchte ich auch nicht mehr.
    Was mich am meisten nervt ist die Tatsache, dass es immer noch die Frauen in dieser Gesellschaft sind, die am meisten zurück stecken. Zwar kommen auch immer mehr Männer dazu, aber die Jobstruktur und die Vorstellungen davon, was eine Mutter und was ein Vater jeweils zu leisten haben, machen ein anderes Modell oft unmöglich.

    So, ich muss weiterarbeiten und dann meine Kinder abholen 🙂

    • einerschreitimmer

      Hi!

      Wie lange warst du zu Hause – und wie lange würdest du rückblickend gehen? Bei uns übernimmt mein Mann eigentlich schon sehr viel. Egal ob bei den Kindern oder im Haushalt. Und weil er als Lehrer in der karrierefreien Zone ist, hätte er auch in Karenz gehen können. ABER: Finanziell wäre sich dann alles nicht ausgegangen…

      In diesem SInne: GUTE NACHT!

      • Hallo nochmal! Ich war bei Kind Nr. 1 nach 7 Monaten wieder im Dienst und der Mann übernahm 7 Monate lang mit seiner Elternzeit. Bei Kind Nr. 7 war ich 9 Monate nach der Geburt zu Hause und mein Mann anschließend 5. Beide Kinder kamen jeweils mit 2 Jahren in den Kindergarten, die Zeit „dazwischen“ haben meine Schwiegereltern die Betreuung übernommen, wenn mein Mann und ich gleichzeitig (was nicht immer der Fall ist) Dienst hatten. Sie machen es auch jetzt noch so, wenn wir beide Nachmittags oder Abends mal gleichzeitig arbeiten müssen oder im Notfall. Das ist ideal. Was ich anders machen würde? Bei Kind Nr. 1 gar nichts, das war gut so für mich. Dann hat sich einiges für mich verändert. Bei Kind Nr. 2 wollte ich schon ein Jahr daheim sein, aber mein Mann bestand auf seine Elternzeit. Im Nachhinein hätte ich 2 Jahre für mich zu Hause gewählt, auch wenn dann jetzt das Ersparte weg wäre. Aber ich habe jetzt ein Erschöpfungssyndrom, und vielleicht hätte ich mir das ersparen können.

  11. Ich persönlich finde den Begriff Vereinbarkeit schrecklich. Letztendlich entscheidet man sich als Paar für oder gegen Kinder. Wenn man sich für Kinder entscheidet, dann sollte jede Familie für sich entscheiden wie sie die Balance zwischen Aufziehen der Kinder, Selbstverwirklichung, Paarbeziehung, etc. gestaltet. Die Einen entscheiden sich für mehr Unterstützung durch Putzfee, Babysitter (wenn sie es sich leisten können), die anderen versuchen allem selbst gerecht zu werden. Ich selbst habe auch glücklicherweise einen Mann der 50/50 der Kinderbetreuung übernimmt, wir sind beide selbstständig und so wie Du kenne ich die Situationen, wo wir entweder ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kindern oder dem Job haben. Wir werden nicht zu allen Zeiten allem gerecht. Das habe ich mittlerweile akzeptiert. Aber wenn ich dann Zeit für die Kinder habe, dann nur für sie, wenn ich Zeit für den Job habe, dann 100%. Ich finde das auch nicht immer einfach, vor allem weil es teilweise nur kurze Momente der vollen Konzentration sind. Aber was hilft es mich zu ärgern?
    Reich werde ich wohl nicht, aber dafür bin ich eine Mama, die sich meist ihren Lebensstandard halten kann und selten auch mal kleine Momente für sich hat.
    Übrigens werden meine Kinder bald 4 Jahre alt und schlafen das erste Mal ausser Haus! OH MEIN GOTT!

  12. Hi Anne,
    vielen Dank für diesen tollen Text!
    Wir haben ihn natürlich in unsere Themensammlung „Vereinbarkeit“ aufgenommen:
    http://das-elternhandbuch.de/2016/01/11/vereinbarkeit-ein-thema-5-geschichten/

    Viele Grüße
    Heike vom Elternhandbuch-Team

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