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Hebammeninterview: Elf Fragen zur Zwillingsschwangerschaft
Hebamme Jana Friedrich vom Hebammenblog erzählt von den Unterschieden zwischen Zwillingsschwangerschaft und Einlingsschwangerschaft.

Hebammeninterview: Elf Fragen zur Zwillingsschwangerschaft

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Jana Friedrich ist Mutter zweier Kinder und arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Hebamme: Und als ob das nicht genug wäre, betreibt die Berlinerin auch noch den überaus lesenswerten Hebammenblog. Im Interview mit „Einer schreit immer“ spricht sie über den Unterschied zwischen Einlings- und Zwillingsschwangerschaften und wie man Zwillinge stillen kann.

 

1) Was unterscheidet eine Zwillingsschwangerschaft von einer Einlingsschwangerschaft?

Jana: Bei Mehrlingsschwangerschaften kommt es doch deutlich häufiger zu Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, bis hin zu Hyperemesis (also extremes, krankhaftes Erbrechen), Nierenbeckenentzündungen, Atembeschwerden, vorzeitigen Wehen… „You name it!“ Also eigentlich alle Probleme, die es in Schwangerschaften so geben kann, kommen einfach gehäuft vor. Das heißt im Umkehrschluss aber natürlich nicht, dass es nicht auch völlig unbelastete Zwillingsschwangerschaften geben kann.

2) Worauf sollte ich bei einer Zwillingsschwangerschaft besonders achten?

Jana: Du solltest natürlich besonders früh Deine Hebamme kontaktieren. Am Besten sobald Du von der Gemini-Schwangerschaft weißt. Denn sie kann Hilfe bei den meisten Schwangerschaftsbeschwerden leisten.

Um Dich in den letzten Wochen etwas mehr schonen zu können, würde ich Dir empfehlen, etwas Urlaub anzusparen und dann bereits vorzeitig in den Mutterschutz zu gehen. Zumal die meisten Zwillinge ohnehin etwas früher kommen als geplant. Gesetzlich ist das ja so geregelt, dass der Mutterschutz, wie bei allen Schwangerschaften, sechs Wochen vor dem errechneten Termin gewährt wird. Aber bei Frühchen wird in Deutschland zumindest – der dadurch verpasste Mutterschutz hinten dran gehängt.

3) Was ändert sich für die Schwangerschaft, ob es eineiige Zwillinge sind oder zweieiige?

Jana: Zweieiige Zwillinge leben in der Gebärmutter in zwei getrennten Systemen. Eineiige Zwillinge teilen sich, je nach Zeitpunkt der Trennung die Plazenta und die Eihäute. Dadurch kann es zu einigen Spezialproblemen kommen. Man kann also sagen: Zweieiige Zwillinge sind in der Schwangerschaft etwas unkomplizierter. In jedem Fall ist eine gute, kontinuierliche Betreuung anzuraten.

 

4) Ist der vorzeitige Mutterschutz in der Zwillingsschwangerschaft sinnvoll?

Jana: Ja! Ich denke, dass die Schwangerschaft durch eine gute Entstressung am Ende der Zeit deutlich verlängert werden kann. Es macht einfach einen großen Unterschied, ob man sich seine Pausen einteilen und die Dinge im eigenen Tempo angehen kann, oder eben nicht. Wenn ein durch Resturlaub verlängerter Mutterschutz nicht möglich ist, sollte man die Situation gegebenenfalls mit seinem Gynäkologen besprechen. Ich bin sonst keine große Freundin von langen Krankschreibungen auf Grund einer Schwangerschaft. Letztlich ist es natürlich immer eine Abwägungssache, aber gerade bei Zwillingen gelten einfach andere Regeln.

5) Gibt es Statistiken oder Umfragen, in welcher Woche Zwillinge meistens geboren werden?

Jana: Das mittlere Schwangerschaftsalter liegt in der 36. SSW. Ungefähr 7 Prozent wird sehr früh (vor der 32. SSW) geboren.  Ich zitiere hier mal „Mothers Talk“: “Zweieiige Zwillinge (dichoriale) Gemini) werden meist bis Ende der 38. Schwangerschaftswoche (38+6), eineiige (monochorial-diamniot) meist bis Ende der 36. Schwangerschaftswoche (36+6) und eineiige (monochoreal-monamniot, aus einer gemeinsamen Fruchthöhle) meist bis Ende der 34. Schwangerschaftswoche (34+6) ausgetragen.“ Hier geht es weiter zum Umfrage von Einer schreit immer.

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„Einer schreit immer“ präsentiert im Blog alles Wissenswerte rund um Zwilllinge. Willst du Infos über die Zwillingsschwangerschaft? Die findest du im Ratgeber „Schwanger mit Zwillingen“. Gerne kannst du auch im Zwillings-Shop von „Einer schreit immer“ vorbeiklicken. 

 

6) Was tun bei einer Frühgeburt? Wie kann ich meinen Kindern helfen? Und wer hilft mir?

Jana: Meistens ist es ja so, dass einen eine Frühgeburt, selbst wenn sie sich anbahnt, völlig überfordert. Man ist dann erst einmal selber auf die Hilfe des Klinikpersonals angewiesen. Da kann man Glück oder Pech haben. In der Regel kümmert sich das Personal in einer Kinderklinik aber ganz toll um alles was die Kinder betrifft. Allerdings kommen die Bedürfnisse einer Wöchnerin oft etwas zu kurz. Hier sollte man darum bitten, dass auch klinikseitig Wochenbettvisiten stattfinden. Und auf jeden Fall die eigene Hebamme kontaktieren! Wir dürfen ja auch „Hausbesuche“ in der Klinik machen.

7) Meine Gefühle spielen Chaos in der Zwillingsschwangerschaft – gibt es Tipps?

Jana: Abwarten, Tee trinken und Zwillingsblogs lesen.

8) Was erwartet einen bei der Entbindung? Ich habe Angst vor einem Kaiserschnitt….

Jana: Die Wahrscheinlichkeit, dass Zwillinge per Kaiserschnitt geboren werden ist natürlich deutlich erhöht. Hier kommt es vor allem darauf an, in welcher Woche die Geburt los geht und wie die Kinder im Bauch liegen. Wenn alle Bedingungen optimal sind, kann eine vaginale Geburt angestrebt werden. Ängste sind in jedem Fall völlig normal. Man sollte aber natürlich versuchen so positiv wie möglich zu denken und zu versuchen sich auf die Gegebenheiten einzulassen und die eingeschränkten Möglichkeiten zu akzeptieren.

9) Ich habe Angst vor einer natürlichen Entbindung…

Jana: Bei Zwillingen darfst du dir auch von vornherein eine Sectio wünschen, wenn Du das lieber möchtest. Und das wird dann auch so gemacht. Ansonsten mach es wie bei jeder „Einlingsgeburt“ auch: Setz Dich gut mit dem Thema auseinander, z.B. in Form eines Geburtsvorbereitungskurses, durch Gespräche mit dem Partner und der Hebamme, usw. Denn Angst vor der Geburt hat eigentlich fast jede Frau. Die Frage dabei ist: Kann und möchte man die Angst überwinden, oder lässt man zu, dass einen die Angst lähmt? Wenn Letzteres der Fall ist, rate ich zu einer Schnittentbindung.

10) Kann ich Zwillinge überhaupt stillen?

Jana: Ja, das kannst du. Aber nicht immer von Anfang an. Wenn die Kinder Frühchen sind, kann es sein, dass sie erst mal noch zu schwach zum Saugen sind. Du pumpst dann Muttermilch ab, bis sie kräftig genug sind, um an Deiner Brust zu trinken. Wissenswertes zum Thema „Milchpumpen“ hab ich in meinem Blogbeitrag „Milchpumpen – mieten – kaufen – nutzen“ zusammengetragen. Für manche Mütter ist die erste, meist turbulente, Zeit aber auch so stressig, dass die Milch einfach nicht ausreicht. Es kann also sein, dass Du zufüttern musst. Auch hierbei ist eine kompetente Betreuung durch eine Hebamme oder Stillberaterin hilfreich.

11) Die Nachsorge: Was ist nach einer Zwillingsschwangerschaft anders?

Für mich als Hebamme ist es vor allem bedeutsam, dass bei Zwillingen das Wachstum in völlig anderen Maßstäben abläuft. Es gibt sogar eigene Größentabellen für Gemini. Abgesehen davon kommt es darauf an, wie letztlich der Geburtsmodus war und in welcher Woche die Kids geboren wurden. Alles Andere ist wie immer… nur halt doppelt.

 

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Wer schreibt hier?

Zwillingsmama, Kinderdompteurin, Chaosmanagerin und „Mädchen für eh alles“: Unter dem Pseudonym Anna Attersee schreibe ich hier über das turbulente Leben mit Kindern – schonungslos ehrlich, denn einer schreit bei uns immer… Im richtigen Leben bin ich Journalistin, arbeite im Bereich „Irgendwas mit Medien“ und habe kürzlich mein erstes Buch veröffentlicht. Stolz bin ich auf meine Kinder und meinen Online-Shop. Mehr über mich und meine Familie findest du HIER.

 

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2 comments

  1. Ich hatte eine völlig normale Schwangerschaft (Zwillinge), habe die Kinder voll ausgetragen (Entbindung 4 Tage nach errechnetem Termin), ich habe sie normal bekommen (kein Kaiserschnitt) es hatten beide Normalgewicht (+ 3 kg) und ich konnte beide 6 Monate lang voll stillen, bis 15 Monate wurden die Beiden noch morgens und abends gestillt, habe dazu täglich ca. 7l Flüssigkeit zu mir genommen.

    Während der ganzen Schwangerschaft kann man sich als Schwangere von Zwillingen anhören, dass es wahrscheinlich eine Frühgeburt geben wird und die Kinder sehr wahrscheinlich per Kaiserschnitt geholt werden müssen, dass sie sehr leicht sein werden und stillen kann man höchstwahrscheinlich eh nicht.

    Ich finde das sehr schade und für die Schwangere nicht förderlich. Ich wünsche mir, dass die Schwangeren Frauen nicht als krank, sondern als ganz normal Schwanger behandelt werden. Das wäre sicher sehr förderlich.

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