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Trageberaterin Franzi gibt Antworten auf die sechs häufigsten Fragen rund ums Tragen (von Zwillingen)

Foto von https://www.facebook.com/herzogfotografie.de
„Tragen ist Liebe“, sagt Trageberaterin Franziska Karagür. Foto: Herzfotografie

Franziska ist zertifizierte Trageberaterin und betreibt den wunderbaren Blog „Einfach klein“. Im Interview erzählt sie, warum Babys eigentlich kleine Äffchen sind und wie man auch Zwillinge wunderbar ins Leben tragen kann. Ein Gastbeitrag.

 

1. Warum sollte ich meine Zwillinge tragen?

Für das Tragen von Babys gibt es so viele gute Gründe, dass ich an dieser Stelle nur die wichtigsten nennen möchte. Menschenkinder sind Traglinge, das heißt, evolutionär betrachtet gehören sie an den Körper eines anderen Menschen. Babys fühlen sich in den Armen (resp. Tragetuch oder Tragehilfe) einer vertrauten Person sicher, geborgen und „zu Hause“. Instinktiv beginnt das Baby zu weinen, sobald man es ablegt- es sichert so sein Überleben. Am Körper eines anderen Menschen spürt das Baby vielfältige Reize; es hört Herzschlag und Atmung, riecht Mama und Papa, spürt die Bewegungen. Sein ganzer Körper ist -auch wenn es schläft- in Aktion. Tragen ist somit die bestmögliche Förderung aller Sinne.

  • Das Tragen fördert die Entstehung des sogenannten Urvertrauens, das Baby kommt sicher und behütet an in der ihm noch fremden Welt.
  • Es beruhigt: getragene Kinder weinen nachweislich deutlich weniger.
  • Es beugt Koliken vor und fördert die Verdauung.
  • Es begünstigt die gesunde Entwicklung: die Hüftreifung wird positiv unterstützt und die natürliche Rundung der Wirbelsäule wird gestützt.
  • Die Körperwärme des Babys wird optimal reguliert, denn das kann ein Baby noch nicht allein.
  • Tragen ist praktisch. Man bleibt mobil und ist nicht durch einen sperrigen Kinderwagen eingeschränkt.
  • Das Tragen fördert die Bindung und hilft euch, euer Baby besser kennen zu lernen; ihr merkt schneller und meist deutlicher, was euer Baby gerade braucht. Dies wiederum stärt euer Vertrauen in euch selbst.
  • Tragen ist einfach wunderschön und Tragen ist Liebe.

2. Wie trage ich meine Babys richtig?

Es gibt mittlerweile einen riesigen Markt mit unzähligen verschiedenen Tragetüchern, Tragehilfen und Slings. Um dort einen guten Überblick zu bekommen empfiehlt es sich, zu einem Tragetreffen zu gehen oder bequem zu Hause eine Trageberatung zu machen.

Tragetücher

Für Anfänger geeignete Tragetücher gibt es z.B. von Didymos, Storchenwiege, Girasol, Fidella und Kokadi. Ab Geburt können Babys z.B. in der Trageweise „Wickelkreuztrage“ oder „Känguruh“ getragen werden. Wichtig hierbei ist, dass die Babys IMMER aufrecht getragen werden, mit Blick zum Tragenden. Sie sollten so hoch gebunden sein, dass man bequem das Köpfchen küssen kann, ohne sich verrenken zu müssen. Die Atemwege sollten frei bleiben und nicht durch Jacken oder Schals verdeckt. Für eine optimale Stützung sollten die Babys in der sog. Anhock-Spreiz-Haltung getragen werden. Und spezielle Zwillingstragen gibt es natürlich auch.

Tragetücher sind individuell an Träger und Kind anpassbar, so dass –theoretisch- ein Tragetuch (ca. 4.60-5.20m) die ganze Tragzeit abdecken könnte und von beiden Eltern genutzt werden kann.


Tragehilfen

Es gibt aber auch eine Vielzahl von Tragehilfen, mit denen ihr euer Baby sicher und einfach transportieren könnt. Diese haben meist einen Hüftgurt mit Schnallen oder zum Binden, ein Rückenteil, welches idealerweise aus Tragetuchstoff besteht und Träger, die entweder auch mit Schnallen geschlossen werden oder gebunden. Die Vorteile einer Tragehilfe sind, dass sie meist schneller anzulegen sind, und für Eltern, die sich ans vermeintlich komplizierte Tuch binden noch nicht ran trauen, ein guter Einstieg um ihr Baby nah bei sich zu tragen. Empfehlenswerte Tragehilfen sind z.B. der Mysol, die Fräulein Hübsch, Emai, Buzzidil oder Kokadi Flip und TaiTai. Aber auch mit den beliebten Tragen von Ergobaby und Manduca haben viele Eltern gute Erfahrungen gemacht. Wichtig bei den Tragehilfen ist ebenfalls, dass der Stoff des Rückenpaneels am Hüftgurt (=Steg) dem Baby von Kniekehle zu Kniekehle reicht und somit die o.g. Anhock-Spreiz-Haltung ermöglicht. Die meisten modernen Tragen haben einen so verstellbaren Steg, dass die Trage über mehrere Kleidergrößen mitwächst und stufenlos an Kind und Träger anpassbar ist. Um hier einen Überblick zu bekommen solltet ihr die gewünschte Trage vor dem Kauf auf jeden Fall testen, um zu sehen, ob sie wirklich zu euch passt. Mit der richtigen Tragehilfe geht das Tragen schnell, einfach und macht wirklich Spaß!

3. Wie kann ich Zwillinge tragen?

Beim Tragen von Zwillingen gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten: Zunächst einmal muss man den Beckenboden stärken. Dieser Punkt ist wirklich nicht zu unterschätzen, gerade wenn ihr auch mal beide Babys gleichzeitig tragen wollt. Zum Tragen von Zwillingen gibt es natürlich auch verschiedene Möglichkeiten: so könnte z.B. ein Baby vor dem Bauch und eins auf dem Rücken getragen werden. Beide Kinder können seitlich auf der Hüfte z.B. auch im Sling getragen werden, oder aber –und das ist die von Zwillingseltern wahrscheinlich häufigst gewählte Art- ein Kind wird getragen, um die Hände frei zu haben für das zweite Baby.

Wenn beide Babys gleichzeitig getragen werden sollen, empfiehlt es sich, für jedes Kind ein eigenes Tuch bzw. Tragehilfe zu benutzen. So bekommt ihr die Babys einfacher ein- und wieder ausgebunden. Und natürlich kann bei gemeinsamen Spaziergängen mit Mama und Papa jeder ein Baby tragen…

4. Ab wann kann ich meine Zwillinge tragen?

Tragen ist ab Geburt möglich. Sogar Frühchen können – stabil ins Tuch gebunden- schon von den Vorteilen des Tragens profitieren. Generell solltet ihr euch „bereit“ fühlen, also das Wochenbett tatsächlich auch zum erholen und ausruhen nutzen. Wenn ihr euch gut erholt habt, euch fit, gesund und stark genug fühlt, könnt ihr die ersten Trageversuche unternehmen.

Doch gerade am Anfang und kurz nach der Geburt seid achtsam mit euch und eurem Körper. Tragt das Baby so lange es sich gut anfühlt und macht regelmäßig eine Pause, um euch an die neue Belastung zu gewöhnen. Wenn ihr dann regelmäßig tragt, wachsen eure Muskeln mit und das Tragen ist zugleich ein gratis Fitnesstraining mit Baby. Natürlich könnt ihr aber auch zu jedem späteren Zeitpunkt mit dem Tragen beginnen. Gerade dann ist es aber wichtig, sich am Anfang nicht zu überlasten. Es ist schon ein Unterschied, ob ihr mit 3,5-Kilo-Baby anfangt oder einem 10kg Krabbelkind.

5. Und wenn mir der Rücken weh tut?

Manchmal kommt es vor, dass Eltern Schmerzen haben beim Tragen. Das sollte nicht sein und ist ein Signal eures Körpers, dass etwas nicht stimmt. Empfehlenswert ist es hier natürlich, die Bindeweise oder Tragehilfe überprüfen zu lassen, bzw. generell eine/n Trageberater/in hinzuzuziehen. Gemeinsam könnt ihr dann schauen, wie eure Bindeweise optimiert werden kann oder ihr probiert eine andere Bindetechnik aus. Auf dem Rücken tragen entlastet normalerweise auch; diese Tragetechnik erfordert etwas Mut und auf jeden Fall Übung. Ist es aber einmal gelernt, erleichtert es den Alltag um ein Vielfaches.

Manchmal bemerken Eltern auch, dass ihr nicht getragen werden will. Auch hierfür gibt es fast immer einen Grund. Viele Babys haben z.B. durch die Geburt Blockaden und diese sind ihnen in der Trageposition unangenehm, auch wenn sie sonst keine Auffälligkeiten zeigen. Hier hilft meist auch der Besuch beim guten (Baby- und Kinder)Osteopathen. Außerdem mögen es viele Babys überhaupt nicht, ins Tuch gebunden zu werden, wenn Blase oder Darm noch drücken. Hier hilft meist ein erneuter Windelwechsel oder das Baby vor dem Einbinden noch mal abzuhalten.

TIPP

Auf Facebook findest du in der Gruppe „Zwillinge tragen“ tollen Austausch mit anderen Zwillingsmüttern.

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Link-Tipps rund ums Tragen
Tragen aus kinderärztlicher Sicht
Rund ums Baby
Tragenetzwerk

Trageberater/in in deiner Nähe finden
Trageschule und Geschwisterschule
Trageschule Dresden
Trageschule Hamburg

Buchempfehlungen

  • Evelin Kirkilionis: „Ein Baby will getragen sein: Alles über geeignete Tragehilfen und die Vorteile des Tragens“
  • A. Manns, A.c. Schrader: „Ins Leben Tragen: Entwicklung und Wirkung des Tragens von Kleinstkindern unter sozialmedizinischen und psychosozialen Aspekten“
  • Regina Masaracchia: „Tragekinder: Das Kindersachbuch zum Thema Tragen und Getragenwerden

4 comments

  1. Lisa von SweetLilli.de

    Ein wirklich toller Beitrag. Wir sind absolute „Tragefans“ und wurden durch deinen Artikel noch einmal darin bestätigt 🙂

    Beste Grüße, Lisa

  2. Toller Beitrag und sehr gute Tipps! Ich bin noch eher Tragetuch-Anfängerin und informiere mich gerade über die verschiedensten Arten von Tragetüchern. Vom Praktischen her wäre natürlich eine Tragehilfe einfacher, aber vom Komfort könnte ich mir vorstellen, dass für das Baby ein individuell gebundenes Tuch schon angenehmer ist. Ich hätte auf haengemattenshop.com ein Carry Sling Tragetuch aus dünner Baumwolle gefunden, das mir ganz gut gefällt und mit 450 cm auch die Kriterien bei der Länge erfüllt. Ich denke, das werde ich mir mal bestellen, und schauen, wie ich damit zurecht komme. Notfalls kann ich mir ja immer noch eine Tragehilfe bestellen…
    Lg, Damaris

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About einerschreitimmer

Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer…

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