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MIH: Die neue Zahnkrankheit lässt Kinderzähne bröckeln

Tief zerstörte Kinderzähne trotz gesunder Ernährung mit kaum Süßigkeiten und vorbildlicher Zahnhygiene? Das Phänomen nennt sich „Kreidezähne“ und unter dieser Zahnkrankheit leidet jedes zehnte Kind. Eltern sind angesichts der „Kreidezähne“ ihres Kindes oft ratlos und von Schuldgefühlen geplagt.


Hinter dem Problem steckt aber nicht mangelnde Fürsorge, sondern eine Mineralisationsstörung mit der medizinischen Bezeichnung Molaren Inzisiven Hypomineralisation (MIH). Die Störung, die sogar den Schneidezähnen zusetzt, kann sehr schmerzhaft sein und benötigt oft das Fachwissen eines auf Kinderzähne spezialisierten Zahnmediziners.

So zeigt sich eine MIH

Von der Zahnkrankheit betroffene Mahlzähne (Molaren) zeigen im Bereich der Kauflächen vereinzelte cremig-weiße bis gelblich-braune Verfärbungen. Auch das obere Kronendrittel sowie der Höcker können beim Schweregrad A betroffen sein.

Ist die Erkrankung schwerwiegender, man spricht von Schweregrad B, sind alle Erhebungen (die Höcker) auf den Backenzähnen mehr oder weniger von einem fehlmineralisierten Zahnschmelz betroffen. Es zeigen sich aber kaum Hypoplasien, also Strukturveränderungen.

Beim Schwergrad C sind die Veränderungen und Schädigungen bereits sehr stark fortgeschritten. Es kommt zu großflächigen Mineralisationsstörungen und deutlichen gelb-bräunlichen Verfärbungen.

Ist MIH eine neue Krankheit?

Die Molaren Inzisiven Hypomineralisation ist in der breiten Öffentlichkeit ein eher unbekanntes Krankheitsbild. Doch gänzlich neu ist die erstmals Ende der 1980er Jahre beschriebene Mineralisationsstörung nicht. Allerdings tritt sie mit dem generellen Rückgang von Karies bei Kindern nun offener in Erscheinung, während die Defekte früher von Karies oft „maskiert“ wurden. Auch das Bewusstsein für Anomalien des Zahnschmelzes ist heute größer als früher.

Noch rätselhaft ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Während das Problem etwa in Skandinavien sehr stark verbreitet ist, tritt es in Südeuropa eher selten auf. Auch in Deutschland zeigt sich laut einer von einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Splieth und Dr. Marina Petrou in Greifswald durchgeführten Studie, dass es große regionale Unterschiede gibt. So leiden etwa Kinder in Düsseldorf und Hamburg deutlich öfter unter MIH als Kinder in Heidelberg oder Greifswald.

Die Ursachen der Kreidezähne sind noch unklar

Die Ursachen der Kreidezähne sind noch nicht eindeutig geklärt. Mehrere Auslöser werden diskutiert: etwa Erkrankungen oder eine Medikamenteneinnahme innerhalb der ersten drei Lebensjahre, Vitamin-D-Mangel, die Aufnahme von Schadstoffen wie Dioxin und das Nuckeln an Schnullern oder das Trinken aus Kunststoffflaschen. Da die Bildung der später von der Mineralisationsstörung betroffenen Zähne zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem dritten Lebensjahr des Kindes erfolgt, nimmt man an, dass die Ursachen der Störung in diesem Zeitraum liegen müssen.

Eine genetische Veranlagung spielt offenbar keine Rolle. Auch bei den Geschlechtern gibt es keine Unterschiede. Mädchen und Jungen sind gleichermaßen betroffen. „Flaschenkinder“ erkranken offenbar häufiger. Auch nach Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen tritt die Zahnerkrankung häufiger auf. Wer in der frühen Kindheit eine schwere Erkrankung mit stationärer Aufnahme und der Einnahme von Antibiotika durchmachen musste, leidet später ebenfalls oft unter einer Mineralisationsstörung der Zähne.

Die Behandlung der Molaren Inzisiven Hypomineralisation

Bei einer leichten Ausprägung der Erkrankung helfen das Fluoridieren des Zahnschmelzes und die Reparatur von Schäden mit einem Versiegler oder Komposit, also einem zahnfarbenen Zahnfüllungsmaterial. Das macht die betroffenen Zähne widerstandsfähiger und verhindert, dass sie beim Kauen einbrechen.

Auch bei Schweregrad B wird so behandelt. Hier kann zusätzlich Glasionomerzement eingesetzt werden. Der dünnflüssige Zement repariert einzelne Einbrüche bzw. Furchen und Ritzen auf der Oberfläche, wenn der Zahn schon stärker geschädigt ist. Bei Schweregrad C mit großflächigen Verfärbungen und Defekten werden die Zähne zunächst einmal mit Glasionomerzement versorgt und abgedeckt. Vollständig durchgebrochene Kinderzähne versorgt der Zahnarzt mit Komposit oder mit Stahlkronen. Ob die Erhaltung eines erkrankten Zahns sinnvoll ist, wird dann im Alter von zehn bis zwölf Jahren entschieden.

Gibt es Heilung für MIH?

Heilen kann man MIH mit all diesen Maßnahmen nicht, doch die Zahnmedizin kann damit viel für den Zahnerhalt tun. Wichtig für Betroffene ist immer eine gute Kariesprophylaxe“, da die Mineralisationsstörung die Zähne deutlich anfälliger für Karies macht. Zudem ist für mehr als die Hälfte aller betroffenen Kinder die Zahnerkrankung sehr schmerzhaft. Das Zähneputzen kann dadurch zu einer richtigen Tortur werden. Doch selbst mit perfekter Mundhygiene lässt sich die Erkrankung leider nicht vollständig heilen oder verhindern.

 

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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