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Experteninterview: „Iss nichts, was deine Großmutter nicht als Lebensmittel erkannt hätte…“

Im Essen darf nichts Grünes sein und so bald ein Bärchen auf der Verpackung ist, schmeckt es gleich doppelt so gut. Kennt ihr das? Wenn es um das Thema Kochen für Kinder und Essen mit Kindern geht, dann können viele Mütter ein ganzes Buch schreiben. Gemüse ist oftmals „iiiihhhhh“, am liebsten würden die Kinder täglich Palatschinken (Pfannkuchen) essen. Auf Augenhöhe der Kids findet man im Supermarkt Pudding mit Figuren aus TV Sendungen, bunte Kindergetränke „ohne Zuckerzusatz“ und vieles mehr. Wir haben heute Ernährungsexpertin Gudrun Bertignoll zum Interview gebeten und stellen die Frage aller Fragen: „Wie schlecht sind Kinderlebensmittel wirklich?“

Kinder und gesunde Ernährung: Das ist ja so eine Sache. Ist etwa etwas Grünes am Teller, wird es nicht gegessen. Wie soll ich damit umgehen?

Gudrun Bertignoll: Unsere Kinder und auch wir Mamas haben es punkto Lebensmittelauswahl definitiv nicht leicht. Wir haben einfach so eine enorm große Auswahl und haben das Glück, wählerisch sein zu dürfen. Man denke an unsere Großeltern, da musste gegessen werden, was auf den Tisch kommt, da es wenig Auswahl gab. Gut, dass dies jetzt anders ist, dennoch bringt es andere Herausforderungen. Wir dürfen/müssen nun den Mittelweg durch das „Schlaraffenland“ finden.

Ich als Mama von zwei Söhnen kenne sehr wohl auch Aussagen wie „das mag ich nicht“. Mir  – wie auch allen anderen Mamas  – liegt die Gesundheit meiner Kids sehr am Herzen und ich versuche immer die Wünsche meiner Kinder zu berücksichtigen, aber dennoch bleibt die Entscheidung „was ich koche“ bei mir. Und das ist wichtig und gut so.

Unsere Essgewohnheiten werden in der Kindheit geprägt und da ist es wichtig, dass man als Mama oder Papa auch den Weg vorgibt zum Wohle des Kindes und nicht „gegen“ das Kind. Gesundheit ist ein wertvolles Gut  – das Wertvollste – und da spielt auch Ernährung eine wichtige Rolle. Alles ist erlaubt, aber Süßigkeiten bleiben Süßigkeiten und ersetzen keine ausgewogene Mahlzeit. Holen sie ihr Kind da ab, wo es steht. Beginnen Sie mit kleinen Mengen (Gemüse – oftmals schmeckt gerade das „Grüne“ nicht), aber seien sie konsequent. Ihr Kind wird es ihnen danken! Ich sage „WAS“ und das Kind sagt „WIEVIEL“! Ich denke auch, dass man ein Kind nicht alles im TV ansehen lassen sollte….so sehe ich es auch beim Essen – alles ist erlaubt, aber alles zu seiner Zeit!

 

Kinderlebensmittel mögen sie hingegen sehr gerne. Wie stehst du dazu?

Gudrun Bertignoll: Kinderlebensmittel sind gesetzlich nicht geregelt. Oftmals reicht ein nettes Bärchen und schon ist es ein Kinderlebensmittel. Wie gesagt, alles ist erlaubt. Eine handvoll Süßes am Tag….da darf es natürlich auch ein Kinderlebensmittel sein.

 

In der Werbung werden Kinderlebensmittel als gesund dargestellt, aber oftmals haben sie bei Müttern einen schlechten Ruf.

Gudrun Bertignoll: Ich würde einfach die Zutatenliste lesen! Wie lange ist sie? Ist die Zutatenliste verständlich? Die meisten Kinderlebensmittel würde ich als Süßigkeiten einstufen. Aber da müsste man sich einzelne gerne genauer ansehen.

 

Worauf sollte ich beim Kauf von Kinderlebensmittel achten?

Gudrun Bertignoll: Das ist ganz einfach. Nichts ist verboten, denn umso interessanter werden sie. Eine handvoll Süßes am Tag ist doch völlig okay und wenn sich der Zwerg unbedingt das Kinderlebensmittel wünscht, warum nicht. Es geht einfach darum, dass es „kein giftiges Kinderlebensmittel“ gibt, aber Kinderlebensmittel niemals eine wertvolle Mahlzeit ersetzen können. Ich bin ein positiver Mensch und suche nicht die schlechten Inhaltsstoffe in Kinderlebensmitteln. Mit Maß und Ziel als Süßigkeit genossen spricht nichts dagegen. Es kann, muss aber nicht sein. Viel wichtiger ist, dass unsere Kinder die wirklich wichtigen bioaktiven Substanzen, Vitamine und Mineralstoffe aus Gemüse, Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten….bekommen. Hier sind die wahren schützenden Stoffe, die zum Erhalt der Gesundheit unentbehrlich sind. Diese im Speiseplan zu haben, ist wichtig!

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn mein Kind gerade so eine Phase hat und sich am liebsten nur von Marmeladebrot / Streichwurstbrot, … ernähren will?

Gudrun Bertignoll: Schlechtes Gewissen braucht man grundsätzlich nie haben. Die Bedeutung der gesunden Ernährung wird allerdings unterschätzt. Sie schnallen ihr Kind ja auch im Kindersitz aus Sicherheitsgründen an. Ich kann mich noch an so manche Diskussion, Gebrüll,….meines Sohnes beim Schließen des Kindergurtes erinnern. Aber es war mir wichtig, ihn anzuschnallen.

Manchmal ist es wichtig, Dinge zu tun, da sie wichtig sind. Dies sehe ich auch bei der Ernährung so. Aber wie gesagt, in kleinen Portionen. Das Kind dort abholen wo es steht. Im Hinterkopf aber immer zu wissen, die „2 Erbsen“ sind wichtig für deine Gesundheit und ich will dich nicht sekkieren, es ist mir wichtig, dass du gut isst.

 

Als ich ein Kind war, waren (glaube ich) noch nicht so viel Mütter unter Druck in punkto gesunder Ernährung bei Kindern. Und ich bin auch gesund groß geworden. Was sagst du zu der Entwicklung?

Gudrun Bertignoll: Ich denke, dass das wirklich etwas mit der Auswahl und der Zeit zu tun hat. Früher wurde vermehrt gekocht, weniger Auswahl…..ich mag ja keine Pauschalierungen, aber dadurch war es gesünder. Heute wird Mütter eingeredet, dass es unbedingt Amaranth, Quinoa, Kokosfett und Co sein muss. Aber im Gegenteil. Unsere heimischen Lebensmittel enthalten so viel Wertvolles. Kartoffeln mit Topfendip oder Ei. War früher bei uns ein Abendessen. Ja das war einfach, schnell und gesund! In der Einfachheit liegt manchmal der Schlüssel zur gesunden Ernährung. Darum mein Motto: Iss nichts, was deine Oma nicht als Lebensmittel erkannt hätte.

Jesper Juul über gemeinsame Mahlzeiten mit Kindern*

Thema Palmöl: Das ist ja momentan in aller Munde. Ist es wirklich so schlecht und warum?

Gudrun Bertignoll: Palmöl ist umwelttechnisch mehr als nicht ideal wie bestimmt die Produktion und der Anbau anderer Lebensmittel. Kokosfett ist punkto ernährungsphysiologischer Zusammensetzung definitiv nicht besser als Palmöl und hat marketingmäßig aber eine andere Aufwertung erhalten und einen ganz anderen Ruf. Nachhaltigkeit ist mir persönlich ein wichtiges Thema und da wären wir wieder beim saisonalen und regionalen Einkaufen! Warum somit Kokosfett oder Palmöl in Österreich?!

 

Welche Botschaft möchtest du Müttern zum Thema Ernährung für die ganze Familie mit auf den Weg geben?

Gudrun Bertignoll: Nehmt euch Zeit zum Essen, genießt die Mahlzeit mit euren Kids so gut und oft es geht! Versucht auch – wenn möglich  öfter – selbst zu kochen. Seid manchmal etwas konsequenter zum Wohle eurer Kinder und gebt punkto Gemüse und Co. nicht auf. Weil es so wichtig ist, was man isst! Überfordert eure Kinder nicht, aber tragt Verantwortung ohne schlechtem Gewissen! Werbung zielt auch auf unsere Kinder ab und darum sind wir ihr Schutz! Kinder brauchen wertvolle Nahrung, ansonsten sind sie gut gefüttert, aber schlecht ernährt!

Noch Fragen?

Gerne stehe ich euch für Beratungen zur Verfügung. Gerne persönlich in der Praxis, wenn Ihr aber zu weit weg sein, gerne per skype! Auch Vorträge oder Ernährungsfragestunden sind möglich! Stöbert mal durch meine Homepage oder auf Facebook!

Alles Liebe und schaut gut auf euch! Gudrun

Mehr von Gudrun findet ihr HIER!

Gudrun

Gudrun hat in Wien Ernährungswissenschaften studiert. Sie ist selbstständige Ernährungsberaterin, liebt trotzdem Schokolade, ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. In ihrer Freizeit geht sie gerne wandern und Freizeit liest Biochemiebücher und Fachzeitschriften zum Thema Ernährung. Sie ist davon überzeugt, dass gesunde Ernährung super wichtig ist, aber ohne Verbote und schwierigen Regeln. 
Sind Kinderlebensmittel wirklich so schlecht? Eine Expertin im Interview
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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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