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Parade der Peinlichkeiten: Das Waschbrettoberkörpertrauma (Andrea Harmonika)

Eigentlich will ich ein Kind von Andrea Harmonika. Mindestens aber einen weinschweren Abend der länger als 22.30 Uhr dauert. Ja – Andrea, die kennt man. Und wenn schon nicht persönlich, dann zumindest einen ihrer witzigen und klugen Texte: Etwa den, als Andrea plötzlich die Seiten wechselte: Und zwar vom spaßigen Schwimmbecken zum keifenden Beckenrand. Oder aber wie sie einmal ohne Feuchttücher auf den Spielplatz ging. Eigentlich hätte ich ja niemals gedacht, dass dieser Frau irgendetwas peinlich sein könnte. Doch ich habe mich geirrt. Aber lest selbst in der „Parade der Peinlichkeiten“…

 

In der 7. Klasse gab es für mich kaum etwas Peinlicheres als die Umkleidekabine in der Turnhalle. Während nämlich alle meine Mitschülerinnen bereits einen Sport-BH von BeeDees trugen, war mein Waschbrettoberkörper immer noch in ein kochfestes Kinderunterhemd von C&A gehüllt.

Als wären der von meiner Mutter für praktisch befundene Pottschnitt und die kackbraunen Breitcordhosen mit lila Rollkragenpullover meiner älteren Siebzigerjahregeschwister nicht bereits Strafe genug gewesen. Schließlich waren das die Achtziger, und alle anderen Mädchen trugen fluffige hubbabubbafarbene Kleidung von Esprit.

Kein Wunder also, dass der 14 Jahre alte Rotzlöffel aus dem Nachbarhaus mir eines Tages eindringlich versicherte: „Du bist so hässlich, du bekommst nie einen ab.“

18 Jahre später.

Ich sitze mit meinem Baby im Behandlungszimmer der Kinderärztin.

Eigentlich soll Frau Doktor heute für die Krankenkasse nachzählen, ob das Kind an jeder Hand fünf Finger hat, aber stattdessen wirft sie mir, der grippegeschwächten Reizhustenmutter, einen kritischen Seitenblick zu.

„Na, na. Das klingt aber gar nicht gut.“

Sie greift zu ihrem Stethoskop und sagt: „Heben sie mal ihr Hemd hoch.“

Einen Augenblick später erschrickt die kinderlose Kinderärztin zu Tode.

Wenn man nämlich mit einem ungeduldigen Dauerstillbaby unterwegs ist, dessen Verhungerungszeichen jederzeit und ohne Vorwarnung apokalyptische Ausmaße annehmen, muss man den Aufwand von „Hemd hoch-Attacke“ auf ein Rumfriemel-Minimum reduzieren, weshalb der Ärztin jetzt meine beiden blanken, Allzeit-bereit-Zweckwaffen aus dem runter geklappten Still-BH zuwinken.

Sterben möchte ich allerdings erst, als nach einem ad hoc einsetzenden Hustenanfall auch noch prompt der wohl unsinnigste Milchspendereflex aller Zeiten ausgelöst wird.

Zu Hause schildere ich dann übrigens diesen entsetzlich peinlichen Moment unter vielen Lach- und einigen echten Tränen dem Rotzlöffel von damals. Der sitzt mir gegenüber am Küchentisch und küsst die Innenseite meiner Handfläche, bevor er hineinprustet.

Derweil hockt unser Baby vergnügt im Hochstuhl, während es selig einen Becher Joghurt auf seiner kackbraunen Breitcordpumphose verteilt.

Albert Einstein hat Recht.

Alles ist relativ.

Für Hanna Lothrops Stillbuch und ihr Kapitel über

Erste Hungeranzeichen ihres Babys: Fäustchen lutschen und leise Schmatzgeräusche“

Ja nee, is klar.

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Ein „Best-Of-Andrea“ gefällig? Das findest du hier…

 

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Parade der Peinlichkeiten – ein Überblick:
1. Teil: Peinlich sind nur die anderen (Glucke und so)

2. Teil: Nathalie und die Kacka-Wurst (Eine ganz normale Mama)

3. Teil: Saskia klaut im Supermarkt (Essential Unfairness)

4. Teil: Judith aus Wien und die Schwimmwindel (Stadtmama.at)

5. Teil: Daniela und der Blümchensex

6. Teil: Rike und der Glitzer-Dildo (Nieselprim)

 

 

1 Kommentar

  1. I zkugel mi glei. So was von gut erzählt und geschrieben. Hat Vorbildwirkung für mich.
    lg ingrid

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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