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PARADE DER PEINLICHKEITEN – Marianne und der brüllende Mantel

Können Kinder peinlich sein? Ja! Das beweist uns immer wieder die allseits beliebte und gern gelesene Rubrik „Parade der Peinlichkeiten“. Heute schreibt Gastautorin Marianne von ihrem Alltag mit drei Jungs und warum sie manchmal mit einem nassen und brüllenden Mantel spazieren geht:

Unser Grosser ist ein 9 Jahre alter Autist mit Mehrfachbehinderung. Nichts für schwache Nerven also und je grösser das Kind wird, umso auffälliger wird das Verhalten auch. Als er noch im Wagen lag wurde er ja kaum als anders wahrgenommen.  Aber zwischenzeitlich verschwindet er im Supermarkt, schmeisst unsere Einkäufe mit Anlauf in fremde Wagen, brüllt mal hysterisch los, kickt um sich oder schlägt auch schon mal nach mir oder seinen Brüdern, wenn wir schon wieder nicht kapiert haben, was er eigentlich will, auf Ausflügen ist er auch wegen Sturzgefahr (kein Gleichgewichtsorgan) oft angebunden, geht den Schulweg rückwärts… Wie auch immer, wir sind also sehr viel an Blicken und auch ‚hilfreichen‘ Kommentaren gewohnt.

Peinlich? Was uns…? Ne…

Allerdings haben die Zwillinge vor rund drei Jahren auf dem Sonntagsspaziergang viel dazu beigetragen, dass die Schwelle noch tiefer sank.

 

Es war einer dieser netten Frühlingstage im März, man will ein bischen raus, Füße vertreten, Kinder auslüften. Es braucht noch Stiefel und eine Jacke, aber lässt es sich doch ganz gut sein. Wir also los mit den Jungs, an einen kleinen netten See am Stadtrand, man kann da rund herum spazieren, im  Strandbadbereich gibt es Bänke und Spielplatz. Da saßen wir also am Ende des Spaziergangs, genossen Sonnenstraheln, schaukelten den Grossen und beobachteten die Kleinen. Tomtom stand am Ufer, warf voller Inbrunst Steinchen. Momol kurvte selbstversunken über die Wiese. Ich guck meinen Mann an und sag ‚Fällt das Kind nicht gleich in den See?‘, er ganz sonntäglich entspannt ‚ne, das passt schon…‘ plumps, lag das Kind im See.

Das Wasser ist in Ufernähe wohl so zwanzig oder dreißig Zentimeter tief, das Kind erschrak sich, brüllte los und versuchte, sich aufzusetzen. Das Wasser ist vor allem im März ziemlich kalt. Natürlich waren wir  ohne Ersatzkleider unterwegs (diese scheine ich sowieso partout nur dann dabei zu haben, wenn keiner sie braucht und an allen Tagen, wo wir froh drum wären, sind sie nicht dabei).

Tomtom zogen wir also aus dem Wasser. Was soll ich sagen? Winterjacke und Stiefel und See sind eine sehr unpassende Kombination. Guter Rat war teuer. Wir das Kind also ausgezogen, mit irgendeinem seiner omipräsenten ‚Lumpen‘ abgetrocknet, in eine neue Windel gepackt und in meinen Mantel eingewickelt, so von Kapuze bis Zehenspitze.

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Ein müder Wasserfrosch in einer viel zu großen Jacke.

Natürlich konnte er keine zehn Minuten barfuß zurück zum Auto. Die Stiefel waren ja auch schön voll Wasser. Wir also Ausflug abgebrochen, nach dem Motto ‚unauffällig den Rückzug antreten, als wäre es das normalste der Welt‘… Mein Mann also mit dem brüllenden Mantel voraus, ich mit einem Arm voll triefender Kleider und einem wackeligen behinderten Kind an der Hand hinterher. Allerdings hatte Momol das Memo zum Thema ‚unauffällig‘ nicht gekriegt: Der lief

laut schreiend fünf Meter hinter mir ‚ich will aber jetzt nicht nach Hause nur weil der in den See gefallen ist, das ist total ungerecht…ich kann auch allein hier bleiben‘ und ja, es waren noch andere

Menschen auf die Idee vom Sonntagsspaziergang gekommen…

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1. Teil: Peinlich sind nur die anderen (Glucke und so)

2. Teil: Nathalie und die Kacka-Wurst (Eine ganz normale Mama)

3. Teil: Saskia klaut im Supermarkt (Essential Unfairness)

4. Teil: Judith aus Wien und die Schwimmwindel (Stadtmama.at)

5. Teil: Daniela und der Blümchensex

6. Teil: Rike und der Glitzer-Dildo (Nieselprim)

7. Teil: Das Waschbrettoberkörperdrama (Andrea Harmonika)

8. Teil: Das Drama mit den Berliner Verkehrsbetrieben (Frau Confuss)

9. Teil: Jusu und die alte Büchse (Mama Schulze)

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Einst kaufte sich Anne ohne mit einer Wimper zu zucken Stilettos um 150 Euro. Dann wurde sie Mutter. Von Zwillingen. Eines ihrer Kinder schreit immer...
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