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Parade der Peinlichkeiten: Rike und der Glitzerdildo

Kennt ihr Rike von Nieselpriem? Ich habe zwar keine Ahnung warum ihr Blog so heißt (muss was Sächsisches sein), aber Rike ist wunderbar witzig. Sie gibt gerne mal 100 Euro für ein Frühstück beim Möbelschweden aus, hat zwei Kinder, viel Humor und einen rosa Glitzer-Dildo. Wie das alles zusammen passt, das lest ihr hier –  Rike schreibt heute bei der Parade der Peinlichkeiten: 

Mir ist ja nichts mehr peinlich! Also nicht im Zusammenhang mit Kindern. Meine Perversitätsgrenze hat sich über die Jahre beleidigt irgendwo anders hin verzogen. Neulich erst fand ich ein weiches mittelbraunes Etwas auf dem Küchenfußboden. So groß wie eine Fingerkuppe. War das Schokolade oder etwa…? Es war Schokolade. Und fragt bitte nicht nach, wie ich das so genau wissen kann. Ich weiß es einfach sicher!

Allerdings habe ich während meiner Ausbildung zur peinlichkeitsfreien Mutti so einiges erlebt. Irgendwann im letzten Jahrtausend schaffte ich mir zum Beispiel (weil das jede so macht, dachte ich) einen leuchtend rosa Glitzervibrator an. Das Ding machte mich allerdings nicht besonders glücklich. Ich mochte weder den Geruch, noch das Material, vom Geräusch und der Performanz ganz zu schweigen. Also verschwand der dort, wo kinderlose Frauen sowas gängigerweise aufbewahren. Richtig! Nachttischschränkchen. Dort vergaß ich ihn.

 

Dann kam das erste Fortpflänzchen zu uns und im zarten Krabbelalter entdeckte er den geheimnisvollen Schieber und dessen glitzernden Inhalt. Zu jeder undenkbaren Gelegenheit kramte er das rosa Monster hervor und lutschte, kaute und spielte daran herum. Irgendwann nahm ich ihm das Teil zum letzten Mal aus den knubbeligen Fingern und stellte ihn oben auf den Schlafzimmerschrank (ich behaupte nicht, dass ich mir das besonders gut überlegt habe).

Eines Tages klingelte die Hermes-Oma, die mich dazumal mit Paketen versorgte. Wir standen so im Flur und ratschten, und immer wieder blickte sie während des Gesprächs über meine Schulter hinweg ins Nirgendwo. Ich meine auch, das Gespräch stockte ein wenig. Irgendwann drehte ich mich um, um zu gucken, was es denn da zu sehen gab. Ah, ja. Am Ende des Flures stand die Schlafzimmertür offen und glitzernd rosa und publikumsheischend stand da der blöde Vibrator auf der Schrankecke.

Dieser Moment, als ich mich wieder umdrehen musste und der Hermes-Botin ins Gesicht sehen musste… Im Nachhinein sind mir so viele Sätze eingefallen! „Ich sammle die ja aus therapeutischen Gründen!“, „Der gehört mir gar nicht! Den habe ich noch nie zuvor gesehen!“, „Wollen sie den mal ausborgen?“, „Haben sie zufällig zwei R6-Batterien dabei?“, „Der gehört meinem Mann!“, „Huch, jetzt haben sie schon ihr Weihnachtsgeschenk gesehen!“. Ist mir alles erst hinterher eingefallen.

Peinlich.

Als das Fortpflänzchen größer wurde, interessierte es sich sehr für das Fortpflanzen an sich. Das Dresdner Hygienemuseum war sein liebster Ort. Dort stand er stundenlang in der gynäkologischen Abteilung und sah sich Informationsfilme an. Fragen hatte er keine, die Filme waren selbsterklärend.

Irgendwann (wir saßen zusammen in der Badewanne) tat er dann ungefragt sein gesammeltes Wissen kund: „Mama, weißt du, die Männer haben Kaulquappen mit Sonnenbrille in ihren Hoden. Und wenn ein Mann seinen Pullermann in den Po der Frau steckt, schwimmen die Kaulquappen im Darm nach oben bis sie an so eine große (macht die Hände etwa zwanzig Zentimeter auseinander) Blase stoßen. Dort bohren sie sich rein. Wer zuerst drin ist, ist Sieger! Der wird dann das Baby der Frau!“. Das war das letzte Mal, dass wir zusammen gebadet haben.

Aber so richtig peinlich wurde es ein wenig später. Das Kind muss so acht oder neun gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte er eine Nachtwanderungsphase. Jede Nacht kam er in mein Bett. Das kann auch an dem Unterhaltungsprogramm liegen. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Fernseher im Schlafzimmer, vor dem ich in schöner Regelmäßigkeit einschlief. Morgens informierte mich mein Sohn dann stets, dass wieder nackte Frauen im Fernsehen gewesen seien und warum ich sowas ansehen würde?!

Jeder meiner Erklärungsversuche hinsichtlich Werbung im Nachtprogramm scheint unverständlich gewesen zu sein, denn wirklich wochenlang informierte der Sohn alle Nachbarn, die Bäckersfrau, seine Lehrerin und vollkommen wildfremde Menschen im Bus: „Meine Mama schaut jede Nacht schwule Frauen im Fernseher! Die reiben ihre Brüste aneinander!“.

Wir sind dann weggezogen aus dieser Gegend. Und nein, im neuen Schlafzimmer gibt es weder Fernseher noch Nachttischschublade.

Noch mehr Peinlichkeiten?
Daniela und der Blümchensex
Nathalie und die Kacka-Wurst

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Über Henrike von Nieselpriem

Rike hat kürzlich mit ein wenig Wehmut ihre Elternzeit beendet. Sie kommt aus dem wunderbaren Sachsen und verwendt in ihren Texten so fabelhafte Wörter wie „blämmblämm“ oder etwa „Möftl“.  Mit ein paar Ausnahmen versteht man ihre Texte trotzdem sehr gut, wenn man sich nicht gerade vor lauter Lachen auf dem Boden kringelt…

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