Bei Festen im Kindergarten werde ich immer ganz rührselig... Foto: PIXABAY

Warum ich bei Kindergartenfesten immer heulen muss…

Hilfe! Meine Hormone! Sie sind anscheinend immer noch da und kitzeln meine Tränendrüsen. Neulich erwischte es mich wieder ganz tief. Und zwar beim Familienfest im Kindergarten. Da purzelten die Tränen völlig unkontrolliert auf den Boden auf meine selbst gemachten Blätterteig-Schnecken. Und zwar als zirka 80 Kinder zusammen musizierten und Händchen haltend „Wir freuen uns, wir freuen uns, dass wir zusammen sind…“ sangen.

80 Kinder, die an das Gute im Menschen glauben. 80 Kinder, deren größte Sorge es ist neben wem sie bin der Pause sitzen und wen sie zum Geburtstag einladen. Ist das nicht einfach wunderbar? So unschuldige kleine Kinderseelen, die völlig unvoreingenommen Menschen begegnen und sich an der Gemeinschaft erfreuen. 80 kleine Seelen, die noch nicht wissen, wie die Welt da draußen eigentlich wirklich funktioniert. Was Kriege sind, wie Politik gemacht wird und warum Walfische an Plastiksäcken verenden. 80 Mini-Menschen, die geliebt und behütet sind und nicht wissen, was beruflicher Konkurrenzkampf, Existenzängste oder Krankheiten sind. 80 Persönchen, die noch viel auf die Nase fallen werden, um all das eben herauszufinden…

Kinder dämpfen den Egozentrismus

Meine Kinder haben mich zu einem anderen Menschen gemacht. Heute bin ich nachdenklicher in großen Dingen und gelassener in Kleinigkeiten. Mich beschäftigt die Frage mehr, in welche Welt meine Kinder hineinwachsen, als die Frage ob der Chef nun eine neue Flamme hat. Kinder zu haben dämpft den Egozentrismus. Es ist nicht mehr so wichtig wie es mir geht, es ist viel wichtiger wie es UNS als Familie geht. Denn eigentlich finde ich es schön, nicht nur ICH zu sein. Ich bin gerne mehr…

Aber dieses UNS gibt es in der Gesellschaft eigentlich selten. Wer Frühchen hat weiß, wie klein die Welt plötzlich wird. Denn Unangenehmes ist unbeliebt.  Es ist nichts für die schöne Katalogwelt namens Instagram. Es ist nichts für Selbstoptimierer und Scheinwelt-Bauer. Und diese Erkenntnisse müssen unsere 80 singenden und lachenden Kinder in den nächsten Jahren selbst erfahren.

So gerne ich würde ich meinen Kindern einen kleinen Koffer mit Erfahrungen packen, in denen ich ihnen fein säuberlich meine Erkenntnisse stecke. Um sie zu schützen vor den Grausamkeiten, die es da draußen gibt. Aber Einsichten und Erfahrungen kann man leider nicht konservieren und mit auf den Weg geben. Ich kann ihnen bei all diesen Begegnungen nur die Hand dabei halten. Und ihnen Werkzeuge mitgeben, die eigenen Schlüsse daraus zu ziehen und trotzdem glücklich zu sein…

 

Wer schreibt hier eigentlich?

Zwillingsmama, Kinderdompteurin, Geburtstagsveranstalterin, Chaosmanagerin und „Mädchen für eh alles“: Unter dem Netz-Pseudonym Anna Attersee schreibe ich hier pädagogisch wertlos über das turbulente Leben mit Kindern – schonungslos ehrlich, denn einer schreit hier bei uns immer… Im richtigen Leben bin ich Journalistin, arbeite im Bereich „Irgendwas mit Medien“ und habe kürzlich mein erstes Buch veröffentlicht. Mehr über mich und unsere Familie findest du HIER.

 

 

 

4 comments

  1. Oh Gott, Danke!! Ich dachte schon ich wäre die Einzige, der es immer so geht wenn diese Horde Kinder in ihrer ganzen Niedlichkeit und Unschuld (zumindest mal für 5min ;-) ) vereint irgendwas singen :)
    Ich bin immer froh, dass es zumindest beim Laternenumzug dunkel ist ;-)

  2. Ich musste schon beim Lesen heulen… So wahr! Mir geht’s auch immer so :)

  3. Oh, kenn ich! Bei den Klassenfesten meiner beiden Schulkinder kürzlich so gewesen. Für die Große war es das Abschlussfest der 4. Klasse… Und der letzte Schultag rückt näher, schnüff…
    Ich glaube, ich könnte meine Kinder nicht bei einem Kinderchor mitmachen lassen (wenn es hier einen gäbe), die Aufführungen wären immer zu „Heulen“ :-)
    LG Hanna

  4. Bitte bitte schreibt mir doch einen Tipp, wie ich die Schuleinführung meiner Großen ohne Dauer-Heulen überstehen soll?

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